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Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen

Cloudy with a Chance of Meatballs. USA 2009. R,B: Phil Lord, Chris Miller. B: Judi Barrett, Ron Barrett. P: Sony Pictures Animation. S: Steven Liu. M: Mark Mothersbaugh.
90 Min. Sony Pictures ab 28.01.10

Drogen und Kinder richtig kombinieren

Von Kristina Schilke Bitte Kinder, nehmt keine Drogen! Laßt das die Animationsspezialisten für Euch tun. Denn das Ergebnis ist viel lustiger, und zudem müßt Ihr Euch keinen unangenehmen Entziehungskuren unterziehen. In der Tat muß im Jahr 2007 folgendes passiert sein bei Sony Pictures Imageworks: Ein Paket kam an. Darin war neben dem erfolgreichen Kinderbuch »Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen« von Jodi und Ron Barrett, aberdutzenden Packungen von Wackelpudding zum Selbermachen und einem Glückskeks, in dem schwer verständlich gekritzelt stand »Macht, was ihr wollt, denn ihr könnt es gut«, auch eine Handvoll knallbunter Pillen enthalten, die einen alle zusammen glauben machen, daß Elvis Presley noch lebt, aber daß er gefälligst aufhören sollte, einen immer mit diesem gleißenden Licht seines Glitzeranzugs zu blenden.

Eine andere Erklärung für die psychopatische Fröhlichkeit, den kamikazehaften Wortwitz und die psychedelischen Farbspektren des 3D-Animationsfilms Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen gibt es nicht – und das ist als Kompliment gemeint. Wie bei jedem größeren Werk läßt sich auch diese Geschichte mit einem einzigen Satz zusammenfassen: Ein junger, ehrgeiziger Wissenschaftler erfindet eine Maschine, die mittels Wassereinspeisung Essen herstellt. Und was für Essen! Denn durch eine überraschend plausible Verkettung von Umständen wird die kleine, effektive Apparatur in den Himmel geschossen, von wo sie nicht nur mehr, sondern auch entschieden zu große Speisen produziert, so daß der schon aus den Grimm-Märchen bekannte Traum vom Schlaraffenland aberwitzige Realität wird und nicht nur Spaghetti Tornados durch die Straßen fegen, sondern es auch überdimensionale Hamburger regnet und Springburgen aus Wackelpudding auf Wiesen prasseln. Garniert ist das Ganze mit einem Sprachwitz hoher Gütequalität und bis zur Abartigkeit kauzigen Figuren, wobei beides vermutlich dem Autoren- und Regieduo Phil Lord und Christopher Miller gewissermaßen zugefallen ist, denn schon für Amerikas neueste, zurecht gehypte Sitcom How I Met Your Mother schreiben die beiden ein Wortgefecht nach dem nächsten.

Im dreidimensionalen Mittelpunkt stehen jedoch die sichtbaren Ideen, und wo für den bebrillten Zuschauer ein visueller Trip beginnt, fing für die Tricktechniker ein abstruser Spaß der Massenlebensmittelverschwendung an. Da das Hauptthema der zu bewältigenden Animationssequenzen schlicht »Herunterfallendes Essen« lautet, füllten die fleißigen Sony-Mitarbeiter ganze Badewannen mit Wackelpudding und ließen Spielzeugactionfiguren hineinfallen, ganz zu schweigen von Hamburgern, die man von allen Seiten filmen ließ, als sie aus unterschiedlichen Höhen auf harte Oberflächen knallten, um später in Zeitlupenaufnahmen das vermeintliche Auseinanderfallen der einzelnen Bestandteile zu studieren. Mit überraschendem Ergebnis: Nicht alle Burger zerteilten sich in ihre Einzelteile, bei einigen spritzten lediglich Senfflecken heraus, so daß auch diese Crash-Test-Ergebnisse in den Film mit eingeflossen sind. Lediglich die vorderen »Heldenburger« zersprangen bis hin zu jeder Gurkenscheibe, während die Kollegen im Hintergrund einigermaßen heil blieben.

Ebenso erging es vielen anderen Lebensmitteln, von rieselnden Eiskugeln im Winter bis hin zu mörderischen Gummibärchen gegen Ende des Films, wenn die etwas zu abstruse Grenzenlosigkeit der genretypischen Actionsequenzen zeitweise in ihrer Länge geradezu infernalisch wirkt. Doch das Schöne an solch psychedelisch farbimplodierten Phantasien ist: Spaß bis zum tödlichen Zuckerschock. Im Gebäckhimmel angekommen, kann man schließlich noch eine Karte schreiben. Vornehmlich auf einem pinkglitternden Lebkuchen. 2010-01-25 12:44

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