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Der Solist

The Soloist. GB/USA/F 2009. R: Joe Wright. B: Susannah Grant, Steve Lopez. K: Seamus McGarvey. S: Paul Tothill. M: Dario Marianelli. P: DreamWorks. D: Jamie Foxx, Robert Downey Jr., Catherine Keener, Tom Hollander, Lisa Gay Hamilton, Nelsan Ellis, Rachael Harris, Stephen Root u.a.
117 Min. Universal ab 10.12.09

I’ve got a feeling – it’s automatic

Von Alexander Scholz In Hollywood sind Automatismen erwünscht. Sie bieten finanzielle Sicherheit – man kann sich auf sie verlassen. Eine halbwegs interessante Story, zwei etablierte Hauptdarsteller, die mit den Rollentypen, die sie spielen, bestens vertraut sind, und ein als fähig geltender Regisseur bilden so einen Automatismus. Eigentlich kann nichts schief gehen.

Diesem Vertrauensvorschuß visuell Rechnung tragend, zeigt der Vorspann von Der Solist ein Bild der intakten Betriebsamkeit: Die LA Times, die Zeitung, bei der Steve Lopez beschäftigt ist, wird unter Einsatz von lautstarker Maschinenkraft produziert. Die Überschriften der Titelseite sind gerade noch zu erkennen, während die frisch gedruckten Seiten über die Papierbahnen rasen. Die Credits, die sich behutsam auf das hektische Bild legen, laden dazu ein, als hypertextueller Kommentar begriffen zu werden, denn immerhin wird hier die wahre Geschichte eines Zeitungskolumnisten in das Medium Film übertragen. Obendrein ist der Ausgangspunkt für die Historie des Films, daß Lopez selbst ständig auf der Suche nach einer anrührenden Geschichte ist.

Schon bald wird dem Betrachter allerdings schmerzlich bewußt, daß dieser Film im Los Angeles von Joe Wright spielt und nicht in der Stadt, die Annie Hall entzücken und Woody Allen verzweifeln ließ. Lopez entdeckt das obdachlose Musiktalent Nathaniel Ayers und sieht in ihm zuerst nur die besagte Story, später einen Freund. Hier steht die Maschinerie der Aufmerksamkeitsgenerierung und der massenmedialen Vermarktung menschlicher Schicksale nicht am Pranger, sondern auf einem, wenn auch sehr brüchigen, Podest. Kennzeichnend dafür ist das halbherzige Porträt der Obdachlosenszene Los Angeles’. Es verdeutlicht die mangelnde Reflexion der Story in diesem Film: Ayers hängt mit seinem Talent die anderen, die nur Elend zu bieten haben, im Wettbewerb um filmische Kenntnisnahme wie selbstverständlich ab.

Für den Zuschauer ist es nicht nur aus diesem Grund recht schwierig, sich der tragischen Figur zu nähern, die den ganzen Film lang in einem Raum kaum erträglicher Allegorien wandelt. Foxx’ passables Spiel wird so durch bildliche Verweise immer wieder von neuem unterlaufen. Wenn genug Tauben durchs Bild geflogen, Straßengeräusche oft genug von klassischer Musik übertönt wurden und schließlich gar ein Orchesterstücks im Stile des Windows-Media-Players verbildlicht wird, nur weil Ayers beim Hören die Augen schließt, ist das Vertrauen in den Hollywood-Automatismus aufgebraucht, und man möchte es dem Protagonisten am liebsten gleich tun. 2009-12-07 13:24

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