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Sunshine Barry und die Discowürmer

Disco Ormene. DK/D 2008. R: Thomas Borch Nielsen. B: Morten Dragsted. S: Kirsten Skytte. M: Jörg Lemberg. P: Disco Ormene.
Publicmotor Pictures ab 29.10.09

Hörst Du die Regenwürmer grooven?

Von Kerstin Germund Der Blick auf den bunten Garten mit seinen duftend blühenden Blumen verharrend, deren Wurzeln verankert sind in fruchtbarem und gesundem Boden, wird man, wenn das Glück mitspielt, Zeuge eines ganz natürlichen Schauspiels. Die lockere Erde bewegt sich in Zeitlupe und wölbt sich zu einem kleinen Haufen, aus dem ganz plötzlich eine rosafarbene und glitschige Fleischspitze, umringt von kleinen Kreisen, hervorlukt. Ganz vorsichtig ragt die sichtbare Spitze aus dem Untergrund und tastet sich langsam voran. Wir alle kennen dieses unscheinbare Wesen – es ist ein ganz normaler Regenwurm, der seine Bahnen durchs dunkle Erdreich zieht.

Dieser Wurm könnte Barry sein, der Protagonist aus dem neuen Animationsfilm Sunshine Barry und die Discowürmer. Leider steht der Wurm ganz am Ende der Nahrungskette, was auch Barry in seiner Erdlochwelt immer wieder feststellen muß. Denn auch unter der Erde wird seiner Lebensform als solches nicht sonderlich viel Respekt gezeugt, was unter anderem damit zusammenhängt, daß Würmer Dreck fressen und auch sonst keine besonderen Fähigkeiten und somit keinen elementaren Existenzgrund besitzen.

Mit seinem übergewichtigem Freund Tito, gesprochen von Dirk Bach, wird Barry von den anderen Erdreichbewohnern wie den gemeinen Käfern immer wieder gemobbt und verachtet. Einen Job als Sachbearbeiter in der Kompostbranche hat er zwar, jedoch frustriert Barry die Vorstellung, dieser Tätigkeit bis an sein Lebensende nachzugehen und es seinem Vater gleich zu tun. Eines Tages scheint der Wendepunkt gekommen zu sein, denn Barry findet eine Discoschallplatte aus den wilden Zeiten seiner Eltern in alten Kisten. Beeindruckt von diesen Klängen, deren Bann er sich nicht mehr entziehen kann, beschließt Barry, eine Discoband zu gründen trotz fehlender Gliedmaßen und nicht vorhandenen Rhythmusgefühls. Nach einigen Eskapaden wie die Suche nach Bandmitgliedern, dem Erlernen der Instrumente und einer nicht ganz einfachen Bewerbung bei einem Musikcontest, findet Barry schließlich die echte Liebe, eine gute Beziehung zu seinen Eltern und seine wahre Bestimmung als grooviger Leadsänger. Barry erlebt die Verwandlung vom introvertierten Würmchen zum emanzipierten Tanzwurm.

Unterstützt wird die Animation von wahren musikalischen Klassikern wie »I Will Survive« oder »Yes Sir, I Can Boogie«. Leider ist das auch schon alles, was den Zuschauer mitwippen läßt, denn langweilige Dialoge und zu einfache, einfallslose Lacher nehmen dem Film jeglichen Spannungsbogen und somit auch den Zauber. Dieser für ältere Kinobesucher zu vorhersehbare Film schaut nicht über den Tellerrand hinaus, jedenfalls nicht was die erwachsene Zielgruppe angeht. Die Kleinen werden mit Sicherheit ihren Spaß haben und erkennen, daß jeder das Zeug hat, etwas ganz Besonderes zu werden, und zumindestens aus dieser Sicht ist der groovige Spaß pädagogisch vertretbar. 2009-10-28 12:52

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