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Wenn wir zusammen sind

Mes amis, mes amours. F 2008. R,B: Lorraine Levy. B: Marc Levy, Philippe Guez. K: Emmanuel Soyer. S: Sophie Reine. M: Sebastian Souchois. P: Evidence Films, Few, Poisson Rouge Pictures. D: Virginie Ledoyen, Vincent Lindon, Florence Foresti, Pascal Elbé, Mathias Mlekuz, Philippe Magnan, Bernadette Lafont, Mar Sodupe u.a.
99 Min. Arsenal ab 19.11.09

Klein Paris

Von Sascha Ormanns Wenn die Kamera anfangs die Themse entlangschwebt, Sehenswürdigkeiten abfotographiert – Houses of Parliament, Big Ben, die Tower Bridge – und in langen Einstellungen unter Brücken hindurchtaucht, suggeriert uns diese Regieentscheidung Lorraine Levys beziehungsweise Sophie Reines Montage, daß es sich bei Wenn wir zusammen sind um einen Film handelt, der versucht, mit Schauplätzen zu verzaubern, eine Sightseeing-Tour durch London zu sein. Allerdings, so scheint es, wird dieser Schwebezustand, untermalt mit pittoresker Musik, nur dazu genutzt, um den Zuschauer behutsam in den französischen Mikrokosmos, in dem sich die gesamte Handlung des Films abspult, hineinzugeleiten. Denn schnell wird klar, daß einer Verankerung in London – dem Abbilden von malerischen Schauplätzen – schlicht keine nennenswerte Bedeutung beizumessen ist. Positiv überrascht, daß London als Ort nahezu unbedeutend und beinahe durch jedwede beliebige westeuropäische Großstadt austauschbar wäre. Ein kalkuliertes Irreführen des Zuschauers.

Fern von ikonographischer Schauplatzabbildung ist Lorraine Levys Wenn wir zusammen sind zuerst einmal romantische französische Komödie – Familienfilm im doppelten Sinne: adaptiert die Regisseurin hiermit erstens den Roman ihres Bruders Marc Levy und finden sich doch zweitens genügend Identifikationsfiguren für jegliche Altersstufen. Daß dieses Konzept – zugegeben, es wirkt zunächst ein wenig dröge – überhaupt funktioniert, ist vor allem dem überzeugenden Schauspielerensemble zu verdanken, das aus einer ungleichen und bunten Mischung von Darstellern besteht, denen es gelingt, differenzierte und grundverschiedene Charaktere zu kreieren.

Insbesondere der zunächst etwas grobschlächtig wirkende Vincent Lindon überrascht bei der Figurenzeichnung des Matthias mit seinem subtil-kindlichen Spiel und entwirft einen Charakter, der sich den negativen Seiten des Erwachsenwerdens verweigert und dem es gelingt, die Sympathie des Publikums zu gewinnen. Zugegebenermaßen kommt die Liebesgeschichte mit Audrey, eine für ihn scheinbar etwas zu hübsche und zu junge Virginie Ledoyen, etwas unglaubwürdig daher, doch spiegelt diese eigentlich nur die mikrokosmische Wunschwelt wider, die von Levy hier entworfen wird. Um Glaubwürdigkeit geht es schlicht nicht – hier toastet man mit dem Bügeleisen, dünstet Fisch in der Spülmaschine und verliebt sich nunmal auf französisch.
2009-11-17 14:19

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #56.

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