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Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft

Hachiko: A Dog's Story. USA 2009. R: Lasse Hallström. B: Stephen P. Lindsey. K: Ron Fortunato. S: Kristina Boden. M: Jan A.P. Kaczmarek. P: Inferno. D: Richard Gere, Sarah Roemer, Joan Allen, Jason Alexander, Cary-Hiroyuki Tagawa, Erick Avari, Robert Capron, Davenia McFadden u.a.
93 Min. Prokino ab 12.11.09

Mann versetzt Hund

Von Gerrit Booms Es ist ein ungeschriebenes Gesetz in Hollywood: Arbeite nicht mit Kindern oder Hunden. Das liegt aber nicht am Aufwand, behauptet der Tiertrainer Boone Narr, der wahre Grund ist: »Die stehlen dir jede Szene.« Das wußte offenbar auch Richard Gere und hat dementsprechend bereitwillig zugesagt, seine Filmrolle zur Hälfte des Films sterben zu lassen. So konnte er sich gar keine Illusionen darüber machen, wer der Hauptdarsteller dieses Films sein würde. Besser gesagt: die Hauptdarsteller. Mehrere Akita-Hunde spielen Hachiko, einen japanischen Reinblütler, der eines Abends von Professor Parker Wilson auf einem Bahnsteig aufgelesen wird.

So klein und wuschelig, den kann man schließlich nicht alleine lassen. Deswegen werden auch alle Bedenken der eigenen Ehefrau ignoriert, ihre Vorgaben hintergangen und das kleine Wesen mithilfe der Tochter als Haustier in die Familie integriert. Schließlich hat einen der befreundete Japaner ja längst aufgeklärt, um was für eine kluge und treue Rasse es sich bei den Akitas handelt. Schnell findet Hachiko heraus, wohin das neu geliebte Herrchen da eigentlich jeden Morgen läuft und folgt ihm zum Bahnhof. Dem Professor scheint das derart zu gefallen, daß er dem Hundchen zum Prestige antrainiert, ihn dort auch wieder abzuholen. Fortan sitzt der drollige Vierbeiner also nachmittags auf der Mauer vor dem Bahnhof und empfängt seinen Besitzer. Bis der eben eines Tages nicht zurückkehrt. Der Hund allerdings kommt trotzdem noch jahrelang wieder, jeden Tag.

Zugegeben, diese, auf Tatsachen beruhende, Geschichte mutet ziemlich langweilig an. Das ist sie auch. Und trotzdem verbirgt sich mehr in Hachiko. Das mag daran liegen, daß sich das Hollywoodsche Gesetz nicht bewahrheitet und die wenigen Schauspieler (allen voran Joan Allen als Ehefrau) absolut zu wirken vermögen. Es kann aber auch sein, daß dieser Film tatsächlich archaische Lebensträume anspricht: Treue, Durchhaltevermögen und innige Liebe. Natürlich läßt sich das in den tiefen, traurigen Augen eines Hundes ideal abbilden. Seine Selbstaufgabe ist es, die ihn liebenswert und dann irgendwie doch wieder menschlich macht. Regisseur Lasse Hallström ist es gelungen, statt eines simplen Tierfilms eine für den Menschen wertvolle Fabel zu inszenieren. Behutsam lotet er die Befindlichkeiten aus und schafft so einen genauen Blick auf Hoffnung, Trauer und eben Treue. 2009-11-06 10:08

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