— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Ein Teil von mir

D 2008. R,B: Christoph Röhl. B: Philippe Longchamp. K: Peter Steuger. S: Julia Oehring. M: Hermann Skibbe. P: Tatfilm. D: Ludwig Trepte, Karoline Teska, Lena Stolze, Julia Richter, Jennifer Ulrich, Tabea Fiebig, Kai-Michael Müller u.a.
88 Min. defa-spektrum ab 15.10.09

Wie die Jungfrau zum Kind

Von Carsten Happe Dies ist nicht der Sommerloch-Aufreger »Eltern auf Probe« von RTL, kein Versuchslabor für simulierte Schwangerschaften, nein, Jonas’ flüchtige Partybekanntschaft Vicky steht eines Tages mit dem Kinderwagen an der Schulhofmauer und konfrontiert den überforderten 16jährigen mit seinem ganz und gar lebendigen Nachwuchs: Klara. Vicky, selbst noch Teenager, verlangt nicht viel vom ungewollten Vater, sie wirbt allenfalls um ein wenig Aufmerksamkeit für die Kleine, für sich und ihre Situation, denn auch ihre Mutter ist alleinerziehend, und ihren Vater bekommen wir nie zu Gesicht, bei Jonas ist es ähnlich.

Behutsam und mit großer Empathie für seine Figuren erzählt Regiedebütant Christoph Röhl von einer Jugend im Ausnahmezustand, vor allem aber auch von starken Frauen, die ihr Leben ohne männliche Hilfe in den Griff bekommen. Vicky hegt keinen Groll gegen den sich sträubenden Vater, sie hat weder einen Masterplan für ihren veränderten Lebensweg, noch packt sie die Panik. Vielmehr gelingt es ihr mit unbeholfenem Charme und sachtem Druck, Jonas’ Blickfeld zu öffnen und ihn für seine neue Aufgabe zu sensibilisieren.

Ein Teil von mir umschifft dabei geschickt alle Klippen, denen »Themenfilme« dieser Art oftmals ausgesetzt sind, mit leisem Humor, genauen Beobachtungen und exzellenten, weil unverfälschten Darstellern, insbesondere den Nachwuchshoffnungen Ludwig Trepte und Karoline Teska.

Daß das ungeplante Baby letztlich nur kurz die Aufmerksamkeit von Jonas’ Clique zu fesseln vermag, bevor diese sich dem neuen Moped eines Klassenkameraden zuwendet, wie die Schlußszene von Ein Teil von mir erzählt, ist ein schönes Sinnbild für den Film selbst: unspektakulär bis zur Selbstverständlichkeit, aber schön, daß es ihn gibt.
2009-10-13 11:06

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #56.

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap