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Sonic Mirror

CH/FIN/D 2007. R,B: Mika Kaurismäki. B: Marco Forster, Uwe Dresch. K: Jacques Cheuiche. S: Christian Krämer, Oli Weiss. M: Billy Cobham. P: Doc Productions, Marco Forster Productions, Marianna Films u.a.
79 Min. RealFiction ab 15.10.09

Musiker zwischen den Welten

Von Oliver Baumgarten Billy Cobham ist ein steter Wanderer zwischen den Welten. Als einer der neben Steve Gadd weltweit einflußreichsten Drummer des Fusion verbindet er das jeweils Beste aus Jazz und Rock und flicht in diese westlichen Strukturen südamerikanische Einflüsse. Er hat mit Peter Gabriel ebenso gespielt wie mit John McLaughlin und Miles Davis, er stammt aus Panama, wuchs in New York auf, bereiste die Welt und lebt heute in der Schweiz. Daß Mika Kaurismäki, selbst viel in der Welt unterwegs und nicht zuletzt seit Moro no Brasil (2001) als Connaisseur lateinamerikanischer Musik bekannt, daß er also Billy Cobham als Künstler spannend finden würde, überrascht nicht. Kaurismäki porträtiert ihn denn auch als einen Weltmusiker weniger im Sinne von Folklore als tatsächlich im Sinne eines Reisenden zwischen den Kulturen. Wir sehen ihn bei einem Auftritt mit der finnischen Espoo Big Band an der Seite des New Yorker Star-Trompeters Randy Brecker, wir sehen ihn mit der afro-brasilianischen Band Malê Debalê, zusammen mit der nigerianischen Gruppe Okuta Percussion sowie an der Seite seines pianospielenden Vaters in New York. Verbunden und erst zu wirklichem Leben gebracht werden all diese Eindrücke jedoch durch das wahre Herzstück von Sonic Mirror, das Cobhams Überzeugung von der Musik als Ausdrucksmittel der Seele, als kommunikatives Medium eindrucksvoll auf die Leinwand bringt. Zusammen mit Okuta Percussion besucht er nämlich mit seinem Drum Set in der Schweiz ein Heim für Autisten, wo ihm nach anfänglicher Scheu ausdrucksstarke und begeisterte Reaktionen begegnen. Filmisch löst das Kaurismäki auf der Bild- und Tonebene mit seinen Editoren Christian Krämer und Oli Weiss wirklich mitreißend in einer langen und fantastischen Schlußsequenz, in der sich das langsam steigernde Tanzen und Mittrommeln der Autisten mit Bildern und Musik der anderen Episoden in einem furiosen visuell-akustischen Crescendo zu vermengen beginnt, an dessen Ende alle Protagonisten im selben Raum, im selben Rhythmus zu schwingen scheinen. Musik verbindet und Kino ebenfalls – keine neue Erkenntnis, aber selten so schön bewiesen.
2009-10-09 15:57

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #56.
© 2012, Schnitt Online

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