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Pandorum

USA/D 2009. R,B: Christian Alvart. B: Travis Milloy. K: Wedigo von Schultzendorff. S: Philipp Stahl, Yvonne Valdez. M: Michl Britsch. P: Impact Pictures, Constantin Film. D: Dennis Quaid, Ben Foster, Cam Gigandet, Antje Traue, Cung Le, André Hennicke, Wotan Wilke Möhring u.a.
108 Min. Constantin ab 1.10.09

Film, die vielköpfige Schlange

Von Werner Busch Egal, wie sehr der Regisseur mit seinem Namen die Autorschaft eines Films auf sich vereint, jederzeit kann durch das Versagen eines der künstlerischen Departments das ganze Ding padautz gehen. Zumindest dann, wenn die geleisteten Fehler an der Gesamtstimmigkeit nicht korrigiert werden. Oder nicht mehr korrigiert werden können. Man erinnere sich etwa an die lauten und gerechtfertigten Unkenrufe über die sehr hausgemachten Spezialeffekte in John Carpenter's Flucht aus L.A. Zugegeben: Hier waren auch noch weitere Schwächen zu beklagen. Allein die Feststellung bleibt, daß manche Produktionen sehr schmerzhaft daran erinnern, daß ein Film immer das Resultat verschiedener, mitunter verschiedenster, Köpfe und deren ureigenen Vorstellungswelten ist. Im Falle von Pandorum wird mustergültig vorgeführt, wie die Departments in verschiedene Richtungen gearbeitet haben und der Film sich deshalb nicht stimmig zusammenfügen kann. Da sich die Grundkonstellation ohnehin stark an Versatzstücken von Filmen wie Event Horizon oder Aliens orientiert, wird diese Problematik zusätzlich verstärkt.

Pandorum. Ein düsterer Sci-Fi-Horror – dem Vernehmen nach. An Bord eines riesigen Raumschiffes erwachen Dennis Quaid und Ben Foster aus dem Hyperschlaf und haben mit einer hyperschlafbedingten Amnesie zu kämpfen. Aber schon der Umstand, daß niemand sie empfängt und daß irgendwer die Sicherungen der Beleuchtung rausgedreht hat, läßt sie sofort stutzig werden. Statt der Besatzung scheinen sich lediglich einige finstre Monstren an Bord zu befinden, die ihnen aus der allgegenwärtigen Dunkelheit auflauern. Das klingt recht stimmungsvoll und ist es in den ersten 30 Minuten auch. Dann aber erwartet den Zuschauer die Rückkehr der vergessenen Art-Department-Ritter, von denen ein jeder an einem anderen Film gearbeitet hat. Und spätestens hier hat der deutsche Regisseur und Koautor Christian Alvart (Antikörper) versagt oder gegenüber seinem für immer idiotischere Filme verantwortlich zeichnenden Produzenten Paul W.S. Anderson nicht ausreichend die Beinkleider getragen oder tragen können.

Die Stan Winston Studios leisten mit ihrer uninspirierten Arbeit an diesem Film dem im vergangenen Jahr verstorbenen Special-Effect-Übervater einen Bärendienst. Die Kreaturen sind jedenfalls zweifelsfrei das Paarungsresultat der Wesen aus The Descent mit den Ghosts of Mars aus einem gewissen John-Carpenter-Film. Julia Roberts ohne Make-Up. Das Kostümbild ist derweil mit der Vorführung seiner Mad Max-Kenntnisse (Teil 1 bis 3) beschäftigt und versieht die übrigen Raumschiffüberlebenden mit trendigen, völlig unpassenden, postapokalyptischen Lederkluften. Auch die dreadlockverliebten Haarstylisten der Produktion durften sich hier austoben. Wenn dann auch noch der Regisseur glaubt, daß sich Actionszenen dadurch auszeichnen, daß man möglichst viele Kameraeinstellungen abdreht, um diese dann von einem unglückseligen Editor als Stakkato-Schnittsequenz auf den die Übersicht völlig verlierenden Zuschauer abzufeuern, dann kann der Film eigentlich nur auf breiter Front verlieren. Der düstere Horrorthriller mutiert in Windeseile zu einem dezent-unterdurchschnittlichen Sci-Fi-Trashfilm. Insofern ist Pandorum quasi zur filmgewordenen Zeitrafferaufnahme der internationalen Karriere von Paul W.S. Anderson geworden. Nichts gegen Trash, aber Filme die ausschließlich aufgrund des Unvermögens ihrer Macher dazu werden, bedenkt man eher mit Mitleid, als sich irgendwo in diesem Wust seinen Spaß zu suchen. Daß das Ganze eigentlich anders gedacht war, davon zeugt die völlige Humorlosigkeit, die im Resultat nun besonders störend wirkt. Fast so störend wie die Dialogzeilen, die die deutsche Jungmimin Antje Traue aus ihrem versteinerten Gesicht abfeuern muß.

Und dennoch ist Pandorum kein weiterer Untergang des Abendlandes. Ein im Grundgerüst gutes Drehbuch, das mit fortschreitender Filmdauer durchaus erfreuliche Wendungen parat hält, und eine in seinen ruhigen Momenten beinahe stimmige Inszenierung bewahren den Film vor dem »Totalausfall«-Stempel. Nein, es gibt sogar wirklich gelungene Sequenzen, wie das Erwachen aus dem Hyperschlaf oder das Krauchen eines der Raumfahrer durch viel zu enge Lüftungsschächte. Die Inszenierung kann hier sehr gekonnt Klaustrophobie mit filmischen Mitteln auf die Leinwand bringen, die sich wie eine Nachtmahr auf die Brust des Zuschauers setzt. Im Resümee bleiben dies aber lediglich gute Ansätze, einzelne Versatzstücke unter vielen, in einem insgesamt enttäuschenden Genrefilm, der in deutschen Landen (Studio Babelsberg, brandenburgische Fabrikhallen) mit amerikanischem und deutschem Geld hergestellt wurde. 2009-10-02 10:20
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