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Die Kinder der Seidenstraße

The Children of Huang Shi. AUS/RC/D 2008. R: Roger Spottiswoode. B: James McManus, Jane Hawksley. K: Zhao Xiaoding. S: Geoffrey Lamb. M: David Hirschfelder. P: Bluewater Pictures, Ming Production. D: Jonathan Rhys Meyers, Radha Mitchell, Chow Yun-Fat, Michelle Yeoh, Guang Li, Ping Su u.a.
120 Min. 3Rosen ab 8.10.09

Interkultureller Austausch

Von Nils Bothmann Es gibt immer wieder Filme, in denen ein Amerikaner oder Westeuropäer eine fremde, oft asiatische, Kultur entdeckt und dabei in historische Prozesse involviert wird. Diese Darstellung ist keinesfalls einer Form von westlicher Arroganz geschuldet, vielmehr dient der Westler in der Fremde als Vermittler von Eindrücken für das heimische Publikum. Die sehenswerten Vertreter dieser Zunft bringen dem Zuschauer dabei nicht nur das Fremde nahe, sondern zeigen interkulturellen Austausch, in dessen Verlauf beide Seiten lernen, die Lebensart des anderen zu respektieren, vielleicht sogar Lehren daraus zu ziehen. Im Falle von Die Kinder der Seidenstraße findet ein derartiger Austausch nur in begrenztem – oder besser gesagt: begrenzt faßbarem – Umfang statt. Anfangs wirkt die Mär vom englischen Jungjournalisten, der im von Japan besetzten China im Jahr 1937 unfreiwillig zum Vorsteher eines Waisenhauses wird, als würde der edle Weiße den armen kleinen Chinesenjungs die Vorzüge von Basketball und westlicher Bildung näherbringen. In der zweiten Hälfte hingegen verdeutlicht der Film dann allerdings, daß auch die Einheimischen einen Einfluß auf den idealistischen Briten haben. Doch genau in jenem Moment zerfasert das Drehbuch, das auf realen Ereignissen basiert, in durch abrupte Zeitsprünge getrennte Episoden, denen es an Kohärenz mangelt. Diesem Flickwerk kann man immer schwerer folgen, und somit wird das filmische Denkmal der Hauptfigur zunehmend uninteressanter, da das Skript die verschiedenen Plotstränge wahllos aufnimmt und fallenläßt.

Dabei ist der Film auf technischer wie schauspielerischer Ebene durchaus gelungen, wobei Spottiswoodes Inszenierung zwar nicht herausragt, aber stets passende Bilder zu bieten hat. Vor allem das Leitmotiv der malerischen Landschaft, deren Idylle meist durch am Himmel zu sehende Kampfflieger gebrochen wird, erweist sich als stilistisch geschickter Einfall. Doch was nützen derartige Lichtblicke, wenn der Film inhaltlich dermaßen austauschbar ist – auch interkulturell. 2009-10-06 10:31

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #56.

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