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Gigante

ROU/D/RE/E 2009. R,B: Adrián Biniez. K: Arauco Hernández Holz. P: Pandora Filmproduktions GmbH, Ctrl Z Films. D: Diego Artucio, Ariel Caldarelli, Fabiana Charlo, Andrés Gallo, Federico García, Néstor Guzzini, Esteban Lago, Ernesto Liotti u.a.
84 Min. Neue Visionen ab 1.10.09

Romeo und Julia im Supermarkt

Von Tamara Danicic Einen Giganten stellt man sich zweifellos anders vor. Zwar ist der Security-Mann Jara unbestritten eine massige Erscheinung. Und wenn er, in seinem Zweitjob, mit »Biohazard«-T-Shirt vor einer Heavy-Metal-Disco steht, um unerwünschte Gäste an die frische Luft zu setzen, dann wirkt er durchaus einschüchternd. Doch ansonsten ist der wortkarge Sicherheitsdienstmitarbeiter in einem Supermarkt alles andere als ein geborener Heldentyp. Sein sanftmütiger Blick, seine Nachsicht gegenüber kleinen Fehltritten der anderen Mitarbeiter und seine Engelsgeduld beim Lösen von Kreuzworträtseln stutzen ihn auf ein überaus sympathisches Normalmaß.

Jaras Leben am unteren Ende der Mittelschicht ist alles andere als aufregend. Als er jedoch auf einem seiner Überwachungsmonitore die Putzfrau Julia entdeckt, ist alles plötzlich ganz anders. Mit der Liebe wird für den Verliebten das Leben selbst »bigger than life«. Bald schon verschanzt sich der schüchterne Jara mit seinen Gefühlen nicht mehr nur hinter dem Monitor, sondern folgt Julia nach Feierabend nachhause, ins Kino und sogar zu einem Rendezvous mit einem potentiellen Rivalen. Der entflammte Romeo wird zum Schutzengel der ahnungslosen Angebeteten. Doch bis zum ersten Tete-à-Tete ist es ein weiter Weg.

Obwohl auf diesem Weg bzw. auf den diversen Gängen durch die Stadt (Montevideo) nichts geschieht, was sich als spektakulär bezeichnen ließe, bleibt man Jara und Julia gerne auf den Fersen. Denn man wünscht dem fülligen Wachmann – der noch nicht einmal vor dem Kauf von Häkelzeitschriften zurückschreckt und den Kaktus zum romantischsten Geschenk der Welt erhebt – das Happy End von ganzem Herzen. Dem gebürtigen Argentinier und Wahl-Uruguayer Adrián Biniez ist das Kunststück gelungen, einer sehr einfachen, lakonischen und in schnörkellosen Bildern erzählten Geschichte eine große emotionale Dichte zu verleihen. Der über beide Ohren verliebte Held ist komisch und in seiner Ernsthaftigkeit und Beharrlichkeit rührend zugleich. Und ganz nebenbei verhandelt der Film auch noch die Frage nach Kommunikation in Zeiten der modernen Mediengesellschaft, ohne dies aber je plakativ in den Vordergrund zu spielen. 2009-09-25 15:26

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