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Evet, ich will!

D 2008. R,B: Sinan Akkus. K: Peter Nix. S: Renata Salazar Ivancan. M: Chris Heyne. P: Luna-Film. D: Oliver Korittke, Heinrich Schafmeister, Ingeborg Westphal, Lale Yavas, Meray Ülgen, Lilay Huser, Nuri Sezer, Sevgi Özdamar u.a.
94 Min. Maxximum ab 1.10.09

Hochzeit auf Türkisch

Von Jenny Feilgenhauer »Evet« bedeutet »Ja« auf Türkisch, und es geht, wie der Titel erahnen läßt, ums Heiraten. Doch was soll man tun, wenn der oder die Auserwählte von den Eltern nicht toleriert wird? Diese und weitere Fragen wirft Sinan Akkus’ Film Evet, ich will! auf humorvolle, aber keineswegs platte Weise auf. Der charmante Episodenfilm weiß bereits im Vorspann durch eine verspielte Symbolik zu begeistern. Der Geldbeutel steht für den Produzenten, ein Diadem für die Kostümbildner und eine umgestoßenen Kaffeetasse für den Regisseur und Autor. Mit einem Form Cut, welcher besagte Kaffeetasse in den Vordergrund des Bildes rückt, beginnt das deutsch-türkische Leiden und Lieben in Berlin.

Es wäre allerdings ein Trugschluß, von einer kitschigen romantischen Komödie auszugehen. Denn Evet, ich will! beschäftigt sich vornehmlich mit dem Generationenkonflikt. Der Film beleuchtet nämlich auch die Gegenseite: Was soll man tun, wenn sich die Kinder den hochgehaltenen Werten ihrer Eltern verweigern? Da treffen 68er-Einstellungen auf spießige und liberale auf traditionelle Weltansichten. Es geht um sture Frauen und verunsicherte Männer, um Elternzusammenführungen verschiedener Nationalitäten, um deutsche Kleinkrämerei und islamische Religionstraditionen und um die Opfer, die man bereit ist, für die Liebe zu bringen.

All diese Themen werden von Sinan Akkus in einem wilden Durcheinander von Handlungssträngen miteinander verflochten, wobei die einzelnen Stränge immer wieder zueinanderfinden und lange genug an einem Punkt verweilen, um das eigentliche Thema des Films nicht aus den Augen zu verlieren. Der Eltern-Kind-Konflikt wird von der jungen Generation auf sehr unterschiedliche Weise ausgefochten. Doch eigentlich geht es allen nur um das Eine: Entscheidungsfreiheit. Letztendlich muß sich die Elterngeneration mit den Worten »Gottes Geschöpfe sind vielfältig« geschlagen geben und dabei zusehen, wie ihre Sprößlinge ihr eigenes Glück finden. Mit einem Augenzwinkern verabschiedet sich der Film von seinem Zuschauer, und man hofft inständig auf ein Wiedersehen demnächst im Kino. 2009-09-30 15:35

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