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Louise hires a Contract Killer

Louise-Michel. F 2008. R,B: Gustave de Kervern, Benoît Delépine. K: Hugues Poulain. S: Stéphanie Elmadjian. M: Gaëtan Roussel. P: MNP Entreprise. D: Yolande Moreau, Bouli Lanners, Albert Dupontel, Philippe Katerine, Mathieu Kassovitz, Robert Dehoux, Agnès Aubé, Joseph Dahan u.a.
88 Min. Kool ab 24.9.09

Hommage an die Tapete

Von Daniel Bickermann Benoît Delépine und Gustave de Kervern, die vor inzwischen schon fünf Jahren die sensationell lustige Kaurismäki-Hommage Aaltra als Debüt ablieferten, haben erneut zugeschlagen. Doch leider suchten sich die beiden dieses Mal nicht immer die besten Eigenschaften ihrer skandinavischen Vorbilder zum Kopieren aus: Auf der Inszenierungsebene gelingt ihr neuer Film meist, auf der inhaltlichen Ebene schießt er jedoch weit am Ziel vorbei.

Wo schon Aaltra äußerst episodisch war und zwei unmoralische, ach was: bis ins Mark verdorbene, Protagonisten aufwies, zerfällt Louise Hires a Contract Killer zunehmend in unzusammenhängende Sketch-Episoden, während die Figuren einen Zynismus und eine Mordlust pflegen, der man als Zuschauer nicht allzu lange folgen mag. Die Inszenierung einer frontal montierten und auf die Figuren wartenden Kamera mündet dabei in lange, manchmal zu lange Steigerungsszenen. Die Kamera lauert beispielsweise geduldig, während ein Mann in einem Wohnwagenpark planlos sein Zuhause sucht und dafür dreimal durchs Bild läuft. Schon hier zeigt sich, daß die Regisseure es dieses Mal mit dem Ausreizen ihrer Komik übertreiben: Zweimal wäre sehr lustig und noch immer menschlich gewesen. Beim dritten Mal ist die Figur zu einer Karikatur geworden und der Film jeglicher Realität enthoben worden.

So hangelt man sich von Szene zu Szene, Figuren kommen und gehen, manche lustig (ein paranoider Aktionskünstler, der in seinem Garten den 11. September im Maßstab 1:100 nachbaut), manche völlig deplaziert und unglaubwürdig (die tragische Krebspatientin, die sich zu suizidalen Auftragsmorden überreden läßt). Und dazwischen die charmant-scheußlichen Tapeten und Inneneinrichtungen eines Aki Kaurismäki, vermischt mit der frontalen Kamera und der Geduld eines Roy Andersson. Grandiose Bilder gelingen den Regisseuren, allein: Sie ergeben nur einen schwer durchwachsenen Film. 2009-09-22 11:39

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #55.
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