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Fighting

USA 2009. R,B: Dito Montiel. B: Robert Munic. K: Stefan Czapsky. S: Jake Pushinsky, Saar Klein. M: David Wittman, Jonathan Elias. P: Misher Films, Rogue Pictures. D: Channing Tatum, Terrence Howard, Zulay Henao, Michael Rivera, Flaco Navaja, Peter Tambakis, Luis Guzmán, Anthony DeSando u.a.
107 Min. Universal ab 10.9.09

Prügelstrafe

Von Nils Bothmann Fighting ist ein Film, der wirklich Fragen aufwirft – jedoch nicht im positiven Sinne. Die wichtigste Frage nach Ende des Abspanns ist eigentlich folgende: Was will Dito Montiels Werk überhaupt sein? Mit Blick auf die gar nicht ungeschickt montierte Creditsequenz könnte man annehmen, der Regisseur des viel beachteten, auf seinen eigenen Memoiren basierenden Kids – In den Straßen New Yorks habe ein Stadtporträt New Yorks im Sinn gehabt, denn Fighting erfaßt in dieser Montage verschiedene Seiten des Großstadtlebens, präsentiert New York als facettenreiche Stadt, und tatsächlich scheinen diverse Establishing Shots während des Films eher an der Topographie der Metropole interessiert zu sein, als daß sie die Handlung unterstützen wollen.

Man kann es dem Kameramann nicht verdenken, denn ansonsten ist die Mär vom Landei, das in den Dunstkreis illegaler Untergrundkämpfe gerät, ebenso öde wie unentschlossen. Zu einem waschechten Prügelfilm fehlte hier jedenfalls der Mut, denn innerhalb von 107 Minuten erwarten den Zuschauer magere vier Kampfszenen, von denen gerade zwei mal so etwas wie eine Choreographie erkennen lassen. Immerhin ist Fighting in diesem Sinne ein ehrlicher Film, der gar nicht erst versucht, die friedliebende Seite der Kunst des Zuschlagens zu betonen: Wenn der Held als Freiwilliger auf andere Freiwillige einprügelt, um Geld zu bekommen, dann wird dies als in keinster Weise verwerflich dargestellt, womit man die ideologische Zweischneidigkeit anderer Kampfsportfilme umschifft.

Leider will der unheimlich schlecht geschriebene Film anstelle eines Prügelfilms anscheinend ein Drama sein, und da hapert es dann an allen Ecken und Enden. Dialoge auf Grundschulniveau nehmen hier jeden Anflug von Ernst, Plotlöcher tun sich bei jeder Gelegenheit auf: Mit nur lediglich zwei knapp gewonnenen und einem abgebrochenen Kampf steigt der Held direkt zum größten Champion des New Yorker Straßenkampfes auf, zu Beginn des Films hat er noch eine Wohnung, um dann ohne weitere Erklärung ein paar Szenen später obdachlos zu sein. Die Hintergrundgeschichten der Figuren werden nie richtig ausgearbeitet, was auch jeden Konflikt innerhalb des Films komplett uninteressant macht, zumal die Geschichte jedes nur erdenkliche Klischee auffährt: Natürlich soll der Held irgendwann für Geld einen Kampf absichtlich verlieren, natürlich findet sich ein kreuzbraves Mädel, das den letzten moralischen Halt der Hauptfigur inmitten des korrupten Untergrundes repräsentiert.

Darüber hinaus wird der Protagonist als furchtbar naiver Simpel dargestellt, der angesichts seiner dümmlichen Unbedarftheit eigentlich jeden Schlag ins Gesicht verdient, den er im Verlauf des Films abkriegt. Wenn Fighting dann noch andeutet, daß gerade diese Figur auf dem College gewesen sein soll, macht man sich bereits Sorgen ums amerikanische Bildungssystem – doch ein weiteres Plotloch verhindert, daß man wirklich mehr über seine Vergangenheit erfährt. Doch nicht nur Step Up-Tanzmäuserich Channing Tatum in der Hauptrolle macht einen auf Doofi, die Figur des als Mentor agierenden Terrence Howard scheint ein ähnlich simpel gestricktes Gemüt zu sein, was sämtliche Triumphe des Duos nur noch unglaubwürdiger erscheinen läßt. Andrerseits: Bei dieser Katastrophe von einem Film stimmt eh überhaupt nichts, warum sollte es in diesem Punkt anders sein? 2009-09-03 15:49
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