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Auf halbem Weg zum Himmel

D 2008. R,B: Andrea Lammers, Ulrich Miller. K: Lars Barthel. S: Dörte Völz-Mammarella. M: Barre Phillips, Evan Parker, Lawrence Casserley. P: pop tutu film.
106 Min. Pop Tutu Film ab 3.9.09

Aus einer fernen Welt

Von Carsten Tritt Es ist den Regisseuren Andrea Lammers und Ulrich Miller sicher nicht der Vorwurf zu machen, sie hätten sich zu wenig Zeit genommen. Nach Angaben des Verleihs soll die Produktion mehr als zwölf Jahre gedauert haben, und bei genauem Hinschauen ist auch erkennbar, welche Energie die Filmemacher in ihr Projekt gesteckt haben. Dennoch bleibt die Erzählung über weite Strecken fremd und wirkt distanziert. Der Dokumentarfilm Auf halbem Weg zum Himmel handelt von einem Massaker einer Armeeeinheit in einer guatemaltekischen Dorfgemeinschaft, die Dorfbewohner waren damals gerade aus dem jahrelangen Exil in Mexiko nach Guatemala zurückgekehrt, und er verfolgt den jahrelangen Prozeß der juristischen und politischen Aufarbeitung des Falles. Bereits die Vermittlung der zum Verständnis notwendigen Informationen ist nicht überzeugend geglückt. Lammers und Miller haben auf z.B. einen Off-Kommentar verzichtet, stattdessen werden die Hintergründe mit Interviewausschnitten eingebracht. Indem die Protagonisten und Opfer des Massakers jedoch deshalb zwar nicht vollumfänglich, jedoch über weite Strecken als reine Vermittler des Faktischen eingebracht werden, haben bereits diese Gespräche den Grundton einer Nacherzählung.

Überhaupt wirkt Auf halbem Weg zum Himmel über weite Strecken so, als sei jede filmische Erzählung journalistisch sauberem Handwerk geopfert worden. Denn in letzterem Sinne ist der Film geradezu mustergültig: So lassen Lammers und Miller auch die Gegenposition, die verantwortlichen Militärs, ausreichend ihre Sicht der Dinge darlegen, und so hat jedes eingeführte Statement auch seinen inhaltlichen Bezug zum Thema. Jedoch wirken alle gezeigten Personen, insbesondere die Dorfbewohner, fast so, als finde ein Sozialleben jenseits des alles überstrahlenden Themas des Massakers nicht statt. In den Gesprächen findet sich kaum eine Bezugnahme auf ein Leben außerhalb der juristischen Auseinandersetzung, und selbst die ganz wenigen Einstellungen vom Alltag der Menschen wirken wie der fremde und ferne Blick eines durchreisenden Touristen. Wo die Objektivität gerade die journalistische Stärke des Films ist, scheitert er leider daran, die persönliche Bindung und die Nähe zu seinen Protagonisten zu vermitteln. Man erkennt bereits an der Arbeit, die die beiden Filmemacher in ihr Werk gesteckt haben, daß auch sie selbst dieses persönliche Interesse hatten, und es hätte dem Film gut getan, wäre es ihnen gelungen, dieses auch in ihren Bilder deutlicher zu vermitteln. 2009-08-28 10:14
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