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Brothers Bloom

The Brothers Bloom. USA 2008. R,B: Rian Johnson. K: Steve Yedlin. S: Gabriel Wrye. M: Nathan Johnson. P: Endgame Entertainment. D: Adrien Brody, Rachel Weisz, Mark Ruffalo, Rinko Kikuchi, Robbie Coltrane, Maximilian Schell, Andy Nyman, Noah Segan u.a.
109 Min. Senator ab 27.8.09

Film mit Anleitung

Von Sascha Ormanns Mit seinem Debütfilm Brick gelang es Rian Johnson 2005, indem er Versatzstücke unterschiedlicher Genres in einen völlig neuen Zusammenhang setzte, einen atmosphärischen Film noir zu kreieren, der sich gängiger Konventionen entsagen konnte und durch eine eindrucksvolle Originalität zu überraschen wußte. Der Drehbuchautor und Regisseur spielte bewußt und vor allem gekonnt mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer, indem er eine klassische 1940er-Jahre-Detektivgeschichte an eine gegenwärtige Highschool verlagerte. Dabei verzichtete er allerdings nahezu vollständig darauf, technische Errungenschaften vordergründig abzubilden, und erschuf so einen Film, bei dem der Zuschauer sich ständig fragen mußte, in welcher (Film-)Zeit er sich nun befindet. Einerseits waren da die brillanten Jungdarsteller, die die famos gezeichneten Figuren auf eine Weise verkörperten, die den Genrekodierungen eines Film noir entsprachen, doch andererseits gab es, wenn auch rar gesät, Aufnahmen moderner Autos sowie anderer technischer Geräte.

Eine ebenso kontrastreich ambivalente Erzählung entwirft Rian Johnson jetzt in Brothers Bloom. Auch sein zweiter Film entsagt sich jeglicher Genre- und Zeiteinordnung, oszilliert munter zwischen Trickbetrüger- und Caper-Film sowie zwischen Roadmovie und romantischer Komödie. Teilweise ist Brothers Bloom gar Märchen. Es mag für den Zuschauer häufig nicht ganz leicht erscheinen, den doch häufigen Handlungshaken, die dem munteren Genre-Potpourri geschuldet sind, konzentriert zu folgen. Was dem Genuß des Films jedoch keinerlei Abbruch tut. Zudem gibt Rian Johnson dem Kinopublikum mit dem Anfang des Films eine Anleitung, sozusagen ein Handbuch für Brothers Bloom mit auf den Weg, das die Lesart (zumindest eine mögliche) und Struktur des gesamten Films vorführt und erläutert, ohne ihm jedoch Essentielles – oder gar Amüsement – zu stehlen.

Zugegeben, die ersten Minuten würden hervorragend als eigenständiger Kurzfilm funktionieren, was nicht zuletzt an den tollen Leistungen aller Kinderdarsteller liegt. Jedoch ist dieser Beginn hier geradezu unverzichtbar; zumindest könnte man sich im Nachhinein keine geschicktere Figurenetablierung vorstellen. Wo die starken Leistungen der jungen Darsteller enden, knüpfen die der bereits etablierten Schauspielgrößen an. Adrien Brodys stets melancholisch dreinblickender Bloom weiß seine ambivalente Gefühlswelt zu transportieren, Mark Ruffalo überzeugt als mysteriös humoristischer Trickbetrüger, und Rachel Weisz ist als naives Betrugsopfer und späterer Love Interest mit Ecken und Kanten einfach nur bezaubernd.

Der Spaß, den die Darsteller offensichtlich am Set empfunden haben müssen, projiziert sich vollkommen auf den Betrachter, und Brothers Bloom funktioniert auch gerade deshalb so gut, weil Rian Johnson es versteht, seinen Cast richtig einzusetzen und diesen formidabel zu inszenieren. Durch eine statische und bravouröse Visualisierung sowie durch die teilweise skurril komischen Drehbucheinfälle erinnert Brothers Bloom bisweilen an Werke eines Wes Anderson, jedoch ohne diese schlicht zu kopieren. Rian Johnson adaptiert vielmehr gelungene und funktionierende Kniffe und interpretiert diese für sich neu, mit einer bemerkenswerten Originalität.

Da sich Johnson eben nicht auf ein Genre festlegt, sondern uns lieber eine bunte Mischung offeriert, ist es durchaus möglich, daß jeder Betrachter eine andere Seite an Brothers Bloom für sich entdeckt. Fast einen anderen Film sieht. Laut Adrien Brodys Figur befinden wir uns beispielsweise nicht in einem Abenteuerfilm (»This isn't an adventure story«), und für Rachel Weisz' Penelope Stamp ist es gerade umgekehrt (»Oh, it totally is«). Egal, wie man das selbst empfindet: Brothers Bloom ist tolles Kino mit schönen Überraschungen – und abenteuerlich irgendwie auch. 2009-08-20 13:35

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