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Summertime Blues

D 2009. R: Marie Reich. B: Friederike Köpf, Uschi Reich, Robin Getrost. K: Egon Werdin. S: Barbara von Weitershausen. M: Youki Yamamoto. P: Bavaria Filmverleih/Produktion, Bremedia Produktion. D: François Goeske, Karoline Eichhorn, Christian Nickel, Maja Schöne, Alexander Beyer, Zoe Moore, Sarah Beck, Jonathan Beck u.a.
116 Min. Universum ab 20.8.09

Sommer des Erwachens

Von Tamar Noort »Dieser Sommer wird ihn für immer verändern«, ist auf der Internetseite von Summertime Blues zu lesen. Gemeint ist Alex, der Hauptleidtragende dieses Teeniefilms, der sich den Sommer über mit folgenden Problemen beschäftigen muß: »Verliebt sein ist gar nicht so einfach, und Erwachsenwerden schon gar nicht!« Die Floskeln, mit denen die Zielgruppe umgarnt wird, könnten für jeden dritten Coming-of-Age-Film gelten und machen Summertime Blues schon fast wieder sympathisch: Der Film ist Teenie-Fließband-Ware und macht wenigstens keinen Hehl daraus. Denn das Werk selbst verhält sich ähnlich floskelhaft: Alles, was man gemeinhin für die Probleme von Jugendlichen hält, findet in diesem Film Erwähnung. So wird die Scheidung der Eltern und das Leben mit ihren neuen Lebenspartnern hineingestopft, die erste Liebe und Auseinandersetzungen mit Mitschülern kommen hinzu, fehlt noch das mangelnde Selbstbewußtsein, das im Laufe des Films durch verschiedene Erfahrungen aufgebaut wird.

Doch indem man die Probleme, die Jugendlichen begegnen, schlicht benennt, werden sie noch nicht zur transformatorischen Kraft im Leben eines Heranwachsenden. In Summertime Blues kommentiert die Hauptfigur mit einem dick aufgetragenen Voice Over die Ereignisse, ist dabei weder besonders bissig noch witzig – und zum besseren Verständnis seiner jungen Seele tragen die so benannten Probleme auch nicht bei.

Der Film bietet keineswegs eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Transformationsphase der Jugend. Vielmehr trägt eine ausgesprochen phantasielose Inszenierung einige holprige Jungdarsteller durch eine seichte Geschichte, die wohl am ehesten dazu gedacht ist, das Zielpublikum auf möglichst unkomplizierte Weise die Zeit zu vertreiben. Was also übrig bleibt: die Story vom Sommer, der Alex für immer verändert hat. Und so sieht der Sommer aus: Alex muß ertragen, daß seine Eltern sich scheiden lassen – das ist eine schlimme Krise; er muß deshalb nach England ziehen, wo eine naturverbundene Engländerin ihm zeigt, wie schön es dort sein kann – das ist nett; er lernt dort auch Faye kennen und nach ein paar kurzen Querelen lieben – das ist supernett. Als Faye und Alex sich endgültig in den grünen Hügeln Englands die Liebe gestehen, fassen sie sich anschließend an den Händen und rennen los, um gemeinsam Tiere retten zu gehen. Das ist so super-super-supernett, daß man kaum hinschauen mag. Mit anderen Worten: Im Gewand eines Coming-of-Age-Films schleicht sich hier ein Rosamunde-Pilcher-Verschnitt für Jugendliche ins Kino. 2009-08-18 11:30

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