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Jasper und das Limonadenkomplott

Jasper. D/F 2008. R,B: Eckart Fingberg. B: Michael Mädel, John Chambers. S: Reiko Pfeiffer. M: Florian Tessloff. P: Toons 'n' Tales (TNT) Filmproduktion.
86 Min. Fox ab 13.8.09

Birds on a Mission

Von Natália Wiedmann Kikagucker kennen Jasper: Per Eisscholle in eine nicht näher lokalisierbare Hafenstadt getrieben, wird der neugierige Pinguin zum kleinen Ethnologen und schickt die merkwürdigen Erkenntnisse seiner Feldforschung flaschenpostalisch der Heimatkolonie zu. Ein klasse Konzept für die fünfminütigen Alltagskulturstudien, perfekt auf die anvisierte Altersgruppe zugeschnitten, denn Kinder auf ähnlicher Wissensstufe können mit Jasper mitlernen, jene mit Wissensvorsprung wiederum über ihn lachen, wenn es mal wieder zu drolligen Mißverständnissen kommt oder Jasper einen seiner pfiffigen Einfälle hat. Schade daher, daß man sich beim Langfilm – im Grunde ein Prequel zur Serie – für die konventionellere Abenteuergeschichte um die Rettung gestohlener Eier vor zwei Ganoven entschied – natürlich sind es zwei, und natürlich ist einer davon unheimlich doof.

Der hintergründige Witz der Serie blitzt allerdings spätestens dann wieder auf, wenn der große Limonadenhersteller Dr. Block seinen teuflischen Plan offenbart, mithilfe einer geheimen Formel alle Kinder ängstlich und damit gefügig zu machen. Das weckt zahlreiche Assoziationen, nicht nur jene an die Legende einer anderen geheimen Limonadenrezeptur oder jene an die generelle Schürung von Angst als Mittel der Disziplinierung; man mag sich auch an die zunehmende Verschreibung von Ritalin erinnert fühlen, die bereits bei Klein- und Grundschulkindern einsetzt. Damit sind es diesmal die Erwachsenen, die auf und auch vor der Leinwand eine Lektion erteilt bekommen, während sich der Ungehorsam der kleinen Protagonisten auszahlt und für viel Vergnügen sorgt. Junge Kinogänger dürfen sich auf Slapstick, Running Gags, vor allem aber auf die sympathische Eier-Rettungstruppe freuen: Der selbsternannte Geheimagent Kakapo, um dessen Nachwuchs man bangt (leider keine Fiktion, die neuseeländische Papageienart ist vom Aussterben bedroht), wird nicht nur vom wißbegierigen Jasper, sondern auch von dessen knuddeligem kleinen Bruder und einem cleveren Menschenmädchen unterstützt. Bezaubernd auch – selbst wenn man sich an das beinah stechende Leuchten der Farben etwas gewöhnen muß – das aus der Serie übernommene Design: Die krummen Linien und schiefen Figuren strahlen eine behagliche Lebendigkeit aus, und wenn die Bilder mal allzu kahl und eher dem Fernsehbildschirm angemessen erscheinen, kann man sich zumindest an den verschiedenen Mustern erfreuen, die sich durch fast alle Flächen ziehen und so an eine liebevoll gestaltete Collage aus Tapeten und Geschenkpapier denken lassen. Da sieht man dann auch über kleinere Unzulänglichkeiten (wie manch unbeholfene Szenenwechsel) gerne hinweg – wenn doch bloß die Kinder stillhalten würden. 2009-08-11 11:40

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