— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Elite Squad

Tropa de Elite. BR 2007. R,B: José Padilha. B: Braulio Mantovani, Rodrigo Pimentel. K: Lula Carvalho. S: Daniel Rezende. M: Pedro Bromfman. P: Zazen Produções, Posto 9, Feijão Filmes. D: Wagner Moura, Caio Junqueira, André Ramiro, Milhelm Cortaz, Fernanda de Freitas, Marcelo Escorel, Fernanda Machado u.a.
115 Min. Senator ab 6.8.09

Schnellschuß

Von Cornelis Hähnel Es gibt Filme, die im Vorfeld so viel Staub aufwirbeln, daß sie einfach enttäuschen müssen. Schon vor dem brasilianischen Kinostart von Elite Squad gelangten Raubkopien auf den Schwarzmarkt und wurden rund zwölf Millionen Mal verkauft. Auf der Berlinale 2008 verlieh die Jury ihm dann noch den Goldenen Bären als Bester Film, eine Entscheidung, die viel Unmut hervorrief. Doch eines muß vorneweg gesagt werden: Der Film ist die ganze Aufregung nicht wert.

Elite Squad basiert auf realen Ereignissen und spielt 1997 in Rio de Janeiro. Eine Eliteeinheit soll die Straßen in den Slums von Rio aufgrund eines Papstbesuchs von Drogendealern befreien. Bope-Kapitän Nascimento schildert aus dem Off seinen Alltag im knallharten Geschäft um Recht, Ordnung und gegen die Korruption. Nervig wird es mit der inhaltlichen und visuellen Aufarbeitung der Geschichte. Daß in der hitzigen Diskussion um den Film immer wieder Worte wie »faschistoid« die Runde gemacht haben, ist – bei einer Spezialeinheit, die schwarze Uniformen mit Totenköpfen trägt – nicht ganz unverständlich. Auch wird Padilha immer wieder Gewaltverherrlichung vorgeworfen, was ebenso nachvollziehbar ist. Denn die grundsätzliche Problematik liegt darin, daß der Film so sorglos und unreflektiert mit der brisanten Thematik umgeht: Die existenzielle Frage, ob Sicherheit und Ordnung durch Einschüchterung und Brutalität zu erreichen ist, wird letztlich schlichtweg umgangen. Zu allem Übel versucht der Film in einem Nebenstrang, über einen studierenden Polizisten einen philosophischen Überbau zu kreieren, in dem er diesen über Foucaults »Überwachen und Strafen« sinnieren läßt. Doch auch hier bleibt nicht mehr als eine wichtigtuerische Andeutung bestehen.

Das eigentliche Problem von Elite Squad ist seine Ausgangsidee, den Film aus dem Inneren der Einheit zu erzählen. Permanent kreist der Film um das heldenhafte Selbstverständnis von Kapitän Nascimento und läßt wenig Raum für Reflexion. Zudem wäre eine klarere Positionierung gegenüber der Gewalt wünschenswert gewesen, denn hier dient sie einzig zum Zweck der Actionstruktur, und als angedeutete Dokumentation realer Verhältnisse kippen die Szenen in eine unbedarfte voyeuristische Sichtweise. Besonders brutal sind die mehrfach kritisierten Folterszenen im übrigen nicht, vielmehr entsprechen sie den gängigen Ballerfilmen. Problematisch ist die Kontextualisierung und die generelle Ästhetik. In grell retuschierten Farben und mit schnellen Schnitten wird krampfhaft versucht, dem Film ein Zeitgeist-Gefühl zu geben, das ihn einer möglichen realen Zuweisung entrückt. Doch letztlich bleibt Elite Squad ein Film, den man am besten ignorieren sollte. 2009-07-31 11:09

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #55.

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap