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Ich habe sie geliebt

Je l'aimais. F 2009. R,B: Zabou Breitman. B: Agnès de Sacy. K: Michel Amathieu. S: Frédérique Broos, Bernard Françoise. M: Krishna Levy. P: Babe Film, Banana Films. D: Daniel Auteuil, Marie-Josée Croze, Florence Loiret-Caille, Olivia Ross, Christiane Millet, Geneviève Mnich, Winston Ong, Woon Ling Hau u.a.
99 Min. Concorde ab 30.7.09

Schöner Leiden

Von Lena Serov Lange verweilt die Kamera in Großaufnahme auf Chloés verheultem und apathischem Gesicht. Am Schluß blicken wir erneut in das gleiche Gesicht, das aufatmend zum Sonnenaufgang hinaufschaut. Zwischen diesen beiden Bildern liegt eine Katharsis, die in der Protagonistin den Zuschauer spiegeln soll. Die sich mit dem Zuschauer identifizierende Großaufnahme des Gesichts führt hier dennoch in die Irre, geht es doch im folgenden nicht vordergründig um Chloés Geschichte – eine Geschichte vom Betrogen- und Verlassenwerden – die sich aus dem ersten Bild entrollt.

Eigentlich geht es um ihren Schwiegervater Pierre, der Chloé in seinem Ferienhaus für einige Zeit vom Alltag abschottet, und dessen im Verlauf des Films abgelegte Lebensbeichte: Vor langer Zeit verliebte er sich bei einer Geschäftsreise in die deutlich jüngere Mathilde, und ging mit ihr eine stürmische Affäre ein, die sich in Hotels auf der ganzen Welt abspielte. Natürlich entschied sich Pierre letztendlich für die bürgerlichen Bequemlichkeiten und damit auch für tragische Bitterkeit, die ihn nun umgibt. Pierre meint, damit Chloé über ihren Schmerz hinwegtrösten zu können und ihr die Hoffnung auf ein mögliches Glück, das ihm nun angesichts seines Alters verwährt bleibt, zurückzugeben.
Zabou Breitman bebildert die literarische Vorlage der in Frankreich bestverkauften, jedoch sehr mittelmäßigen Kitsch- und Klischee-Prosa von Anna Gavalda dementsprechend uninspiriert: Die düstere Tristesse und Unwirtlichkeit der Gegenwart kontrastiert mit der farbigen Leichtigkeit und Melancholie der Vergangenheit, was sich manchesmal wie eine abgedroschene und unsubtile Version von Lost in Translation anfühlt. Anstatt dem Kammerspiel von Pierre und Chloé und ihrer Gesichtersprache Raum zu geben, überwiegen die Bilder der erinnerten Phantasmagorie. Das sprichwörtliche Motto des Films: Ich teile mein Leid, damit dir deines halb so groß vorkommt, geht dann aber vollends in Chloés kathartisiertem Blick des Schlußbildes auf. 2009-07-28 10:43

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #55.

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