1998: Odyssee im Nerdraum
Von Nils Bothmann
Fanboys: Leute, die sich mit Leib und Seele einer Sache verschreiben. Zum Beispiel
Star Wars, wie die Titelfiguren in Kyle Newmans Film. Denen genaues Wissen über das Paarungsverhalten der Ewoks wichtiger ist als weitreichende soziale Kontakte. Doch
Fanboys gibt sein Nerd-Quartett nicht der Lächerlichkeit preis, sondern empfindet tiefe Sympathie für sie – egal ob sie noch in Mutters Garage wohnen oder gezwungenermaßen einen »seriösen« Job als Autoverkäufer angenommen haben. Im Jahre 1998 brechen diese vier nun auf, um in die Skywalker-Ranch einzubrechen und bereits vor der Premiere eine Kopie von
Star Wars: Episode I sehen zu können.
Wie so häufig ist der Weg das Ziel, denn auf der Reise muß man sich mit wildgewordenen Trekkies, der Polizei und Harry Knowles herumschlagen. Dabei offenbart
Fanboys eine unglaubliche Liebe zum Detail, zitiert andauernd Interna aus Fanboy-Kreisen, egal ob nun
Star Wars,
Star Trek oder anderes Popkulturgut Gegenstand der Untersuchung ist. Dementsprechend darf man sich auch über Gastauftritte von
Star Wars-Mitwirkenden wie Carrie Fisher, Billy Dee Williams und Ray Park freuen, ebenso über Cameos von William Shatner, Kevin Smith und Seth Rogen. Das Zitatgeflecht mündet in absurd-komischen Szenen wie einer Schlägerei zwischen
Wars- und
Trek-Fangruppen, bei der die Insiderbeleidigungen tief fliegen, klingonische Schmähungen ausgepackt und Spock-Ohren abgebissen werden.
Allerdings schwächelt
Fanboys abseits seiner reflexiven Ebene. Die Dramaturgie ist recht konventionell, im letzten Drittel versandet Newmans Film dann in einer mäßig witzigen Slapstickorgie, der es an Frische und Pep mangelt. Zumal die aufgeregte Hatz durch die Skywalker-Ranch gar nicht zu dem sonst ruhig erzählten und ebenso ruhig geschnittenen Film paßt. Lobenswert hingegen ist der Mut Newmans, zwischendrin auch sehr ernst zu werden, denn der Grund der Reise ist kein lustiger: Einer der Protagonisten hat Krebs, wird die Premiere von
Episode I wohl nicht mehr erleben. Den produzierenden Gebrüdern Weinstein war dies zu ernst, sie wollten den Subplot erst entfernen lassen, beugten sich dann aber Fanprotesten. Die richtige Entscheidung, denn dadurch porträtiert
Fanboys seine Reife, die in einer wunderbar emotionalen, gänzlich unprätentiösen Versöhnungsszene kurz vor Schluß endet. Kein Kitsch, keine großen Gesten, stattdessen ein Plädoyer für Freundschaft und Loyalität zu den Klängen von Remy Zeros »Fair«. Da kann man
Fanboys seine Schwächen gar nicht mehr so übelnehmen.
2009-07-24 10:18