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Erzähl mir was vom Regen

Parlez-moi de la pluie. F 2008. R,B: Agnès Jaoui. B: Jean-Pierre Bacri. K: David Quesemand. S: François Gédigier. M: Christian Chevalier. P: Les Films A4. D: Jean-Pierre Bacri, Jamel Debbouze, Agnès Jaoui, Pascale Arbillot, Guillaume De Tonquedec, Frédéric Pierrot, Mimouna Hadji, Florence Loiret-Caille u.a.
100 Min. Alamode Film ab 30.7.09

Die Suche nach dem roten Faden

Von Sebastian Gosmann Seit sich die beiden Schauspieler Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri 1987 auf der Bühne kennenlernten, schreiben sie Theaterstücke und Drehbücher zusammen. Eines ihrer Skripte, nämlich jenes zu Das Leben ist ein Chanson, verhalf Altmeister Alain Resnais vor zehn Jahren gar zum größten Publikumserfolg seiner Karriere.

Als Jaoui im Jahr 2000 mit der äußerst amüsanten Gesellschaftskomödie Lust auf anderes ihr Regiedebüt gab, fraßen ihr die französischen Kinogänger förmlich aus der Hand. Auch ihr rundum gelungenes Zweitwerk, Schau mich an!, wurde mehr als wohlwollend aufgenommen. Ein weiteres Mal durfte man sich an dem superben Dialogwitz erfreuen, der die taufrischen und brillant gespielten Ensemblefilme des – von Resnais liebevoll »Team JaBac« getauften – Autorengespanns so angenehm herausstechen läßt aus dem nicht selten etwas altbacken daherkommenden zeitgenössischen Konversationskino der Grande Nation.

Wenn Jaouis dritter Film den geneigten Zuschauer nun ein wenig enttäuscht zurückläßt, liegt das sicherlich nicht daran, daß es ihm an Humor oder Intelligenz mangeln würde. Den vom großen Durchbruch als ernstzunehmender Filmemacher träumenden Hotelangestellten Karim und den abgehalfterten, liebeskranken Reporter Michel beim Dreh eines Porträts über eine feministische Politikerin jeden Tag erneut an ihrer Unprofessionalität scheitern zu sehen, ist überaus unterhaltsam. Der Hauptplot entpuppt sich bald als Running Gag. Und der funktioniert gar prächtig.

Leider jedoch hapert es diesmal – ausgerechnet – an der Geradlinigkeit des Drehbuchs. Auch wenn Jaoui und Bacri sichtlich bemüht sind, die Schicksale sämtlicher ihrer durchaus stimmigen Figuren auszuerzählen, erscheinen deren Sorgen und Nöte einfach zu disparat, um am Ende zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzulaufen. Während Jaouis Vorgängerwerke jeweils einem klar formulierten Leitgedanken folgten, läuft Erzähl mir was vom Regen trotz – oder gerade wegen – seiner thematischen Fülle irgendwie ins Leere. 2009-07-23 13:17

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #55.
© 2012, Schnitt Online

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