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Salami Aleikum

D 2009. R,B: Ali Samadi Ahadi. B: Arne Nolting. K: Bernhard Jasper. S: Jochen Retter. M: Ali N. Askin. P: Dreamer Joint Venture Filmproduktion. D: Navid Akhavan, Anna Böger, Michael Niavarani, Proschat Madani, Wolfgang Stumph, Eva-Maria Radoy, Caroline Schreiber, Stephan Grossmann u.a.
99 Min. Zorro ab 23.7.09

Mann oder Maus?

Von Arezou Khoschnam Allen, die bereits in Anbetracht des Titels Salami Aleikum versucht sind, den Film in die Klamaukecke abzuschieben, sei davon abgeraten. Denn hinter der Komödie verbirgt sich ein origineller Stilmix mit feinem Gespür für inszenatorische Details und tollen Schauspielern. Um kurz auf den Titel zurückzukommen, in diesem Fall macht er sogar Sinn: Der Film erzählt nämlich die Geschichte des fast dreißigjährigen Iraners Mohsen, der noch immer bei seinen Eltern wohnt und in der familieneigenen Metzgerei arbeitet. Der Job ist sicherlich nicht seine Berufung, kann er doch kein Blut sehen, geschweige denn ein Tier schlachten. Beruhigung nach den vorprogrammierten Streitereien mit seinem Vater verschafft er sich, ganz genau, durchs Stricken. Auf dem Weg nach Polen macht er notgedrungen in der ostdeutschen Provinz einen Zwischenstop, wo er sich in die ehemalige Kugelstoßerin Anna verliebt. Problem: Anna ist Vegetarierin. Am Ende schließlich muß Mohsen Position beziehen: Mann oder Maus?

Spätestens hier wird deutlich, daß Regisseur Ali Samadi Ahadi mit diversen Stereotypen jongliert: Orientale trifft Deutsche, Ossi trifft Wessi, Mann trifft Frau. Dabei findet er Bilder, die an Jean-Pierre Jeunets Die fabelhafte Welt der Amélie erinnern. Er hebt die Schauspieler aus der dreidimensionalen Ebene heraus und setzt sie fotocollagenartig in eine Zeichentrickkulisse. Oder aber er erweckt den Inhalt von Bilderrahmen zum Leben, bedient sich des Schnelldurchlaufs und läßt seine Schauspieler zuguterletzt auch noch tanzen und singen wie in einem Bollywoodfilm.

Ahadi hat offensichtlich Freude am Spiel mit den unterschiedlichsten Stilen. Die bei diesem Potpourri lauernde Gefahr einer Bruchlandung umschifft er erfolgreich. Die witzigsten Szenen gebühren eindeutig Österreichs Kabarett-Superstar Michael Niavarani, der Mohsens Vater spielt. Doch auch Wolfgang Stumph in der Rolle von Annas Vater könnte sich in Zukunft ruhig öfter dem Komödienfach widmen, erreicht er doch im Zusammenspiel mit Niavarani einige humoristische Höhepunkte. Einziges Manko sind die an manchen Stellen fehlenden Untertitel und die Befürchtung, daß den nicht-iranischen Zuschauern etwas entgehen könnte. 2009-07-16 12:37

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #55.
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