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Edge of Love – Was von der Liebe bleibt

The Edge of Love. GB 2008. R: John Maybury. B: Sharman MacDonald. K: Jonathan Freeman. S: Emma E. Hickox. M: Angelo Badalamenti. P: BBC, Capitol Films, Prescience Film Fund u.a. D: Keira Knightley, Cillian Murphy, Sienna Miller, Matthew Rhys, Camilla Rutherford, Alastair Mackenzie, Lisa Stansfield, Karl Johnson u.a.
110 Min. Neue Visionen ab 23.7.09

Die Quadratur des Dreiecks

Von Dietrich Brüggemann Wenn ein Film als Dreiecksgeschichte beworben wird, man bei der Zählung der Hauptfiguren aber auf eine Vierecksgeschichte kommt, dann stimmt was nicht. Wenn bei genauerer Betrachtung das Dreieck zum Zweieck schrumpft, ebenso. Trotzdem ist Was von der Liebe bleibt ein schöner Film, aber fangen wir doch einfach beim Anfang an. Wo genau der ist, weiß man allerdings nicht so genau, und das ist dann wieder ein Hinweis, daß da was nicht stimmt.

Der Film fängt an mit einer Großaufnahme des Mundes einer sehr schönen Frau, die vor gemalter Südseekulisse ein Lied singt. Die Kamera fährt zurück, wir befinden uns in einer zum Luftschutzkeller umfunktionierten Londoner U-Bahn-Station im Jahre 1944. Die sehr schöne Frau ist Keira Knightley, sie trifft in London auf ihre Jugendliebe, den versoffenen, garstigen, charmanten walisischen Dichter Dylan Thomas, der aber inzwischen mit der wilden, lebenshungrigen, kratzbürstigen Sienna Miller zusammen ist. Die Frauen freunden sich an, dann taucht ein edler Soldat auf, mit stählernen Augen gespielt von Cilian Murphy, der Keira unbeirrbar den Hof macht. Im Film, anders als im wirklichen Leben, hat solche Hartnäckigkeit Erfolg, die beiden werden ein Paar, doch dann muß der Soldat an die Front, und die beiden Frauen ziehen mit dem Poeten in zwei Häuschen an der walisischen Küste.

Regisseur John Maybury kommt aus der Kunstszene, und sein Film hat vom ersten Bild an eine überwältigende Visualität. Das London der Kriegsjahre sieht hier aus wie ein dunkles Märchenland, eine labyrinthische Welt aus Bars und Dachkammern und Kellern, und die Figuren driften durch diese Welt wie durch einen Traum. Im zweiten Teil, an der walisischen Küste, ist alles von verhangener Klarheit und von klarer Dunstigkeit, zwei kleine Häuser stehen auf einer kargen Wiese am kargen Meer, und zwischen Keira, Sienna und dem Dichter, den Matthew Rhys umwerfend überzeugend spielt, entsteht eine Art Dreiecksgeschichte, die allerdings wieder zum Viereck wird, als der edle Soldat als traumatisiertes Nervenbündel von der Front heimkehrt.

Ästhetisch ist all das unschlagbar, dramaturgisch ginge noch mehr. Die Atmosphäre ist traumgleich, die Musik von Angelo Badalamenti tut ihren Teil dazu, doch die Geschichte mäandert mal hierhin, mal dorthin, und man weiß nicht, wohin man ihr folgen soll. Gerade weil die realen Ereignisse, auf denen alles basiert, so durcheinander passierten, wäre es ratsam, sie gnadenlos klar zu erzählen. Stattdessen bleibt ganz viel im Vagen und am Ende viele Fragen. Ein schöner Film, der nicht über seine Schönheit hinauswächst. 2009-07-17 11:10

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #55.

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