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Killshot

USA 2007. R: John Madden. B: Hossein Amini. K: Caleb Deschanel. S: Mick Audsley. M: Klaus Badelt. P: Weinstein Co., FilmColony. D: Diane Lane, Mickey Rourke, Thomas Jane, Joseph Gordon-Levitt, Rosario Dawson, Brandon McGibbon, Michelle Arvizu, Aldred Montoya u.a.
95 Min. Senator ab 16.7.09

Schwarzweiß gezeichnet

Von Rebekka Hufendiek »Are you through?«, fragt eine nackte Frau, aus der Dusche kommend, nachdem Armand Degas alias Blackbird einen Auftragsmord im Nebenzimmer erledigt hat, an dessen Planung sie selbst beteiligt war. »Not yet«, antwortet Blackbird und erschießt auch sie.Mickey Rourke ist Blackbird der Auftragskiller, der Hitman, der harte Bursche, der jeden erschießt, der sein Gesicht mit seinem Job in Zusammenhang zu bringen weiß, der seine beiden Brüder im Geschäft überlebt hat und zurückgeblieben ist als einsamster Mensch auf der Welt in den allerfeinsten Gangsterposen, in Cowboystiefeln, schwarzem Mantel und verspiegelter Sonnenbrille. Blackbird wird nicht weniger einsam, als er sich den Grünschnabel Richie Nix als Partner zulegt, und auch nicht, als er diesem die Freundin streitig macht und sich für einen beschaulichen Augenblick auf der heimischen Ledercouch über ihre Liebe zu Elvis Presley erzählen läßt. Diane Lane ist Carmen Colson, angestellt in einer Immobilienagentur, verheiratet mit Wayne Colson, dem Eisenarbeiter, unfreiwillig kinderlos und mitten in einer Ehekrise. Nur durch Zufall geraten sie und Wayne vor die Flinten von Blackbird und Richie Nix.

Killshot versammelt einen hübschen Haufen an großen Mafiosi-Posen, splitterndem Glas und brennenden Autos. Er läßt seine Protagonisten durch die Luft wirbeln und blutig auf dem Boden wieder aufschlagen und situiert sie abwechselnd in der kargen Winterlandschaft von Detroit und in trashigen bis überzogen symbolgeladenen Interieurs. So verweilt Blackbird im Hause seiner Opfer vor einem Wandteppich mit – ausgerechnet – einer Friedenstaube, Schwarzweißzeichnung, die sich noch selbst als solche illustriert. Killshot hält seine Spannung über weite Strecken in zackig geschnittenen Parallelmontagen, deren Stränge auf der Tonspur ständig ineinander überblendet werden. Durchexerziert wird hier unter anderem, wie nervenaufreibend ein Telefon klingeln kann, das Unheil von außerhalb des Bildes verkündet.

Mit Killshot reiht sich John Madden in die Kette der zahlreichen Regisseure ein, die aus einer Erzählung der Pulp-Fiction-Ikone Elmore Leonard ein Drehbuch gemacht haben. Doch sehenswert ist an Killshot sicher als allerletztes die Handlung. Die Beziehungen zwischen den Protagonisten bleiben allesamt merkwürdig unmotiviert, weder die ungleiche Partnerschaft zwischen Blackbird und Richie Nix noch die Ehekrise der Colsons vermag auch nur ansatzweise zu überzeugen oder gar zu fesseln, die Verfolgungsjagd der einen durch die anderen ist ein äußerst dünner roter Faden, auch wenn er eine beachtliche Blutspur hinter sich herzieht. Zum Showdown aber wird es für einen kurzen Moment doch großartig, wenn Mickey Rourke im Scheinwerferlicht und mit gezogener Knarre sein Opfer fragt: »Reality, what the fuck is that?« Schöner kann man die filmische Bedingtheit der eigenen Pose kaum ausstellen. 2009-07-13 11:23

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #55.

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