— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Transformers – Die Rache

Transformers: Revenge of the Fallen. USA 2009. R: Michael Bay. B: Ehren Kruger, Roberto Orci, Alex Kurtzman. K: Ben Seresin. S: Roger Barton, Tom Muldoon, Joel Negron, Paul Rubell. M: Steve Jablonsky. P: DreamWorks SKG, Hasbro, Paramount Pictures. D: Shia LaBeouf, Megan Fox, Josh Duhamel, John Turturro, Tyrese Gibson, Kevin Dunn, Glenn Morshower, Michael Papajohn u.a.
147 Min. Paramount ab 25.6.09

Symphony of Destruction

Von Nils Bothmann Allein der Name Michael Bay ist geeignet, um bei diversen echten, aber auch vielen selbsternannten Cineasten Haßtiraden zu provozieren. Eine Aufregung, deren Grund kaum verständlich ist. Bay will schließlich kein Autorenfilmer sein und verkündete jüngst zur Premiere von Transformers – Die Rache, daß seine Filme nicht als politische Botschaft, sondern als Entertainment gedacht seien. Sicher sind Actionblockbuster in Videoclip-Ästhetik nicht jedermanns Sache, doch auf diesem Feld sind Bay nur wenige ebenbürtig. Trotzdem beschwert sich die Anti-Bay-Fraktion beim Kauf der durchsichtigen Wundertüte stets über deren Inhalt, nimmt wiederkehrende Elemente gar übel. Bei Tarantino wird das eine Handschrift genannt, bei Bay heißt es einfach, er klaue bei sich selbst.

Insofern wird all jenen, die bereits Transformers verdammten, auch die Fortsetzung wenig Freude bereiten, doch für Freunde des Leinwandspektakels lohnt sich das Sequel auf jeden Fall, trotz kleinerer Schwächen. Transformers – Die Rache ist etwas zu lang geraten, der Humor ist – wie beim Vorgänger auch schon – etwas durchwachsen. Gelungen sind selbstironische Einlagen, z.B. wenn sich Hauptfigur Sam von seinem Auto-Transformer Bumblebee verabschiedet, als würde er sich von einer alten Liebe trennen, weniger schön sind einige aufgesetzte Klamauknummern, z.B. Sams Mutter unter dem Einfluß von Hasch-Brownies. Zudem geht Transformers – Die Rache ein wenig der Charme des Vorgängers ab, da dessen Initiationsgeschichte nunmehr abgeschlossen ist, man das Alltagsleben von Sam schnell abhakt und sich wesentlich mehr auf den Krieg zwischen den guten Autobots und den fiesen Decepticons konzentriert.

Doch Bay versteht es, diese Schwächen zu kompensieren, indem er einfach konsequent auf Tempo setzt. Transformers – Die Rache ist Kino der Bewegung, in dem ständig etwas los ist: Menschen, Autos und Hubschrauber stehen selten still, sondern drängen stets vorwärts. Die Geschichte, eine Schnitzeljagd nach einer Transformer-Energiequelle auf Erden, ist eine Einladung zu einer filmischen Achterbahnfahrt, die konsequent auf Überwältigung des Zuschauers, auf Schauwerte setzt. Davon gibt es in diesem Spektakel mehr als genug, denn Bays Materialschlacht fährt alles auf, was ein dermaßen dickes Budget ermöglicht: Riesige Explosionen, aufwendige Stunts und CGI-Effekte von bestmöglicher Qualität. Erfreulicherweise sind die Actionszenen trotz eines schnellen Schnitts noch relativ übersichtlich, zumindest im Vergleich zu den hektischen Schnittorgien, die manch anderer Blockbuster neueren Datums auffährt.

Bays Fans (und auch seine Kritiker) können dabei wieder alle Stilmittel wiedererkennen, die der Regisseur so gerne einsetzt: Gegenlichtaufnahmen, akzentesetzende Zeitlupen, 360-Grad-Kamerafahrten, aus der Untersicht gefilmte Soldaten und Transformers. Figuren werden als Silhouetten oder Akzente in Panoramalandschaften plaziert, die Kamera springt mit den Mitgliedern einer Spezialeinheit aus einem Flugzeug, im Hintergrund ertönt ein Soundtrack mit Hang zu leichtem Pathos – kein Stil der leisen Töne, aber mit technischer Perfektion darauf aus, das Publikum zu packen und über die gesamte Filmlänge möglichst nicht mehr loszulassen.

Die Schauspieler sind da von sekundärer Wichtigkeit inmitten des Bildersturms, allenfalls John Turturros Rolle ist dankbarer als im ersten Teil. Shia LaBeouf wird hingegen weitaus weniger gefordert als im Vorgänger, Megan Fox wird wie dort in erster Linie auf ihr Äußeres reduziert. Stellenweise karikiert Transformers – Die Rache sein Frauenbild dann auch wieder, z.B. wenn sich eine an Sam heranschmeißende Kommilitonin als Spionin der Decepticons erweist. Doch das sind eher Fußnoten in diesem Spektakel, das einfach nur rasantes, dynamisches Oberflächenkino sein will, als solches aber sehr gut funktioniert. Sich darauf einzulassen liegt allerdings beim Zuschauer.
2009-06-24 11:04

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap