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Big Stan

USA 2007. R: Rob Schneider. B: Josh Lieb. K: Victor Hammer. S: Richard Halsey, Greg Babor. M: John Hunter. P: Crystal Sky Pictures, Silver Nitrate Pictures, Velocity Pictures. D: Rob Schneider, David Carradine, Jennifer Morrison, Scott Wilson, Sally Kirkland, M. Emmet Walsh, Kevin Gage, Bob Sapp, Randy Couture, Dan Haggerty, Simon Rhee u.a.
105 Min. Fox ab 25.6.09

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Von Nils Bothmann Darauf hatte die Filmwelt gewartet: Rob Schneider gibt sein Regiedebüt! Mit Rob Schneider in der Hauptrolle. Drehbuch leider nicht von Rob Schneider. Mit der intelligenten Werbezeile: »Kleiner Arsch ganz groß!« Und einer wahnsinnig ausgefallenen Geschichte: Schneider spielt den kleinen Schwächling Stan, der im Verlaufe der Handlung über sich hinauswächst. Dazu verheizt Rob, der Regiedebütant, noch munter eine ganze Riege prominenter Gesichter aus Hollywoods zweiter Reihe, die allesamt unterfordert sind, und filmt das Ganze absolut brav und experimentfrei ab.

Man könnte jetzt annehmen, Big Stan sei eine faire Sache zwischen Zuschauer und Film: Man erwartet keine gute Komödie, und der Film behauptet auch nie, eine zu sein – doch das Ergebnis unterbietet jegliche Erwartungen. Nicht nur, daß Schneiders Werk noch nicht mal versehentlichen einen funktionierenden Gag fabriziert, es ist auch schwer zu glauben, wie unreflektiert er mit dem Thema Mißbrauch in Gefängnissen umgeht. Das Wort Vergewaltigung fällt inflationär, doch pünktlich zu Beginn des letzten Filmdrittels löst Big Stan dieses Problem in einem Knuddelkonsens auf: Hauptfigur Stan, mittlerweile tonangebender Häftling im Knast, erklärt einfach, daß Vergewaltigungen ja nicht nett sind und deshalb unterbleiben sollen, und die anderen Gefangenen machen sofort bereitwillig mit. Klingt ja irgendwie richtig, und außerdem könnte Stan sie ja verprügeln, wenn sie anderes behaupten. So löst man Probleme auf pädagogische Art.

Dabei hat Big Stan ansatzweise erkannt, was man aus der Geschichte um den verurteilten Betrüger Stan, der sich durch Kampfkunst im Knast behauptet, hätte machen können. Zum einen hat Schneiders Film die Gesetzmäßigkeiten von Gefängnisfilmen wie Die Verurteilten, Blood In Blood Out und Lock Up erkannt, parodiert diese aber wenig hintersinnig. Zum anderen finden sich immer wieder Referenzen zum Martial-Arts-Film, aus denen Big Stan allerdings ähnlich wenig macht. Kung Fu-Star David Carradine gibt den weisen Meister, Martial-Arts-Größen wie Randy Couture und Simon Rhee haben Gastauftritte, doch über eine klägliche Anspielung auf Die 36 Kammern der Shaolin kommt Big Stan auch hier nicht hinaus. Schneiders Film versagt auf so vielen Ebenen, daß man es fast gesehen haben muß – aber eben nur fast. Da sieht man sich doch lieber einen richtigen Gefängnisfilm oder einen richtigen Martial-Arts-Film an – oder eine richtige Komödie.
2009-06-19 10:14

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