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State of Play – Stand der Dinge

State of Play. USA 2009. R: Kevin Macdonald. B: Matthew Michael Carnahan, Tony Gilroy, Billy Ray. K: Rodrigo Prieto. S: Justine Wright. M: Alex Heffes. P: Universal Pictures, Studio Canal, Working Title Films u.a. D: Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Jason Bateman, Jeff Daniels, Michael Berresse u.a.
127 Universal ab 18.6.09

Headlines und Deadlines

Von Sascha Ormanns Betrachtet man Filme wie David Finchers Zodiac oder George Clooneys Good Night, and Good Luck, meint man, eine Sehnsucht nach Vergangenem zu spüren. Das Verlangen, der Rastlosigkeit unserer hochtechnisierten Gesellschaft zu entfliehen, scheint allgegenwärtig, spürt man doch nicht nur anhand dieser Filme den Hang zu Altmodischem: das Bedürfnis nach penibler Recherche, Cordjacketts und Schreibmaschinen, moralischer Integrität und echtem Entdeckergeist in der journalistischen Arbeit.

Kevin MacDonald inszeniert nun State of Play, der ähnliche Sehnsüchte hegt, allerdings nicht, wie man nun meinen könnte, gediegen langsam, vielmehr ähnelt der Film in seiner Visualisierung eher dem Greengrasschen Œuvre, wirkt dabei jedoch nicht aufdringlich wackelig. Durch diese inszenatorische Entscheidung gelingt es dem Regisseur vielmehr, eine fesselnde Dynamik zu erzeugen, die die Vermittlung der nostalgischen Grundidee keineswegs übertüncht. Auffällig ist vor allem, und das thematisiert State of Play sehr schön, daß die Zeit, neben der essentiellen Kostenfrage, eine immer gewichtigere Rolle in der Berichterstattung einnimmt. Da ist es schon mal weniger wichtig, ob eine Nachricht gut recherchiert ist, Hauptsache, die Deadline wird eingehalten und die Verkaufszahlen stimmen. Obendrein wirft das von drei Kennern ihres Fachs, unter anderem Tony Gilroy, entwickelte Drehbuch eine Frage auf, die, obgleich hochaktuell, schon seit geraumer Zeit gestellt wird, zu der jedoch weiterhin keine Antwort auszumachen ist: Wie viel ist die Zeitung, das gedruckte Wort noch wert in Zeiten des Internets, im Streben nach immer aktuelleren Meldungen (die möglichst kostengünstig und unverzüglich produziert werden sollen)?

Die Antwort des Films fällt zwar klischeehaft, aber nichtsdestoweniger liebevoll aus: Russel Crowe fährt einen Saab 900, das offizielle Journalistenauto Hollywoods, komplett ausgestattet mit herumliegenden Notizen und Essensresten von nächtlichen Recherchetouren. Sein Arbeitsplatz im ständig ratternden und klingelnden Großraumbüro ist mit wildassoziierten Notizen und Ausrissen gespickt. In State of Play geht es allerdings nur zum einen darum, was gerade auf der Leinwand geschieht, insbesondere ist wichtig, wem etwas passiert; denn dramaturgisch verläßt sich das Script vollkommen auf seine Figuren und deren Darsteller, die die Geschichte vorantreiben, und speziell Russell Crowe gelingt es einmal mehr, teilweise durch sein zurückgenommenes Spiel, aber vor allem durch seine wuchtige Leinwandpräsenz, den Zuschauer in die Erzählung hineinzuziehen.

Die beiden vermeintlichen Antagonisten Print und Online, verkörpert durch Russell Crowe und Rachel McAdams, werden in State of Play durchaus stereotyp gezeichnet, was jedoch der Tatsache geschuldet sein dürfte, daß der Film nunmal dem Mainstreamkino zuzuordnen ist und das Gros der Menschen bei Online-Journalismus an die Blogkultur zu denken scheint (und außerdem offenbart sich der eigentliche Gegenspieler sowohl des Online- als auch des Printjournalismus alsbald durch den von Jason Bateman wieder einmal herrlich gespielten PR-Berater). Immerhin ist in State of Play ein journalistischer Idealzustand herbeigeträumt worden: Daß es sich nämlich bei Print- und Onlinejournalismus keineswegs um Substitutionsgüter handelt, vielmehr sollten sich beide Formen ergänzen, anstatt sich die Daseinsberechtigung gegenseitig entziehen zu wollen. Dies geschieht im Film, personifiziert durch die beiden Journalisten unterschiedlicher Profession, ganz ausgezeichnet, man würde es sich in der Realität ähnlich harmonisch wünschen.
2009-06-18 13:31

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