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Kleine Verbrechen

Mikro eglima. GR/D 2008. R,B: Christos Georgiou. K: Yorgos Giannelis. S: Isabel Meier. M: Kostantis Papakonstantinou, Thanasis Papakonstantinou. P: Bad Movies, Greek Film Center, ARTE u.a. D: Aris Servetalis, Vicky Papadopoulou, Antonis Katsaris, Panayiotis Benekos, Evgenia Dimitropoulou, Konstantinos Koronaios, Mara Barola, Dimitris Drosos u.a.
88 Min. Neue Visionen ab 11.6.09

Reif für die Insel

Von Constanze Frowein Die Kinogängerfraktion, die mit Beginn des Abspanns von Kleine Verbrechen abrupt den Saal verläßt, wird im anschließenden Gespräch über den Film belehrt: Es macht Sinn, die oftmals lange Liste geduldig zu verfolgen, denn nur die »Sitzenbleiber« werden hier belohnt und können beweisen: Der Abspann ist Teil des Films und somit unverzichtbar, weil er im Fall von Kleine Verbrechen den Ausgang des Films beinhaltet. Genauso konsequent, wie der Abspann bedeutend für den Verlauf des Films ist, zeigt sich auch die Filmmusik dieser griechisch-deutschen Komödie von Christos Georgiou. Die musikalische Untermalung durch Kostantis und Thanassis Papakonstantinou prägt die Stimmung des Films mit ihren einfachen und deshalb genialen Themen durchaus zurückhaltend und dennoch durchgängig mit variierenden, aber immer wiederkehrenden Motiven. Die Geschichte vom Polizisten Leonidas, der sich in der vermeintlichen Einöde einer kleinen griechischen Insel nach abenteuerlicher Verbrecherjagd in Athen sehnt und mit dem plötzlichen Tod des Insulaners Zacharias eine phantasiegeladene Welle ins Rollen bringt, unterstreichen die Gebrüder Papakonstantinou klangmalerisch: Sei es die musikalische Imitation des Tratschens der neugierigen Insulaner oder die ironische Vertonung der belachten Autorität Leonidas’ als Hüter von Recht und Ordnung – die episodische Erzählweise des Films gewinnt im besonderen durch die musikalische Charakterisierung.

So spinnt Leonidas’ in der Einöde des kleinen griechischen Eilands insgesamt sechs verschiedene Möglichkeiten, wie der alte Zacharias ums Leben gekommen sein könnte. Teils verschwörungstheoretisch verrückt wie die Einbindung Abdullah Öcalans in ein politisch motiviertes Mordkomplott oder eher sentimental anmutend mit der Idee von Zacharias’ Selbstaufgabe durch eine unglückliche Liebe: Alle Versionen verweben die Inselgerüchte immer bizarrer, bieten dem Zuschauer immer mehr Spielraum für die geistige Fortführung der Handlung inklusive vieler Schmunzler.

Einen besseren Ausgangspunkt für eine die Phantasie anregende Geschichte hätte sich Christos Georgiou kaum ausdenken können. So entlarvt die unbeholfen pragmatische Fahndung Leonidas’ auch die Naivität des Inselpolizisten, ohne ihn zu demütigen, wenn er beispielsweise die Leiche in der Kühltruhe des Lebensmittelgeschäfts zwischenlagert. Georgiou schmückt die Geschichte zudem mit Leonidas’ frischer Liebe zur schönen Angeliki, die aus ganz anderen Motiven als denen Leonidas’ an der Aufklärung Zacharias’ Tod interessiert zu sein scheint. Bis in die letzten zelluloidschen Fasern birgt der zweite Spielfilm Christos Georgios die Möglichkeit der Verspieltheit des Mediums Film, wenn der Filmemacher die Ebenen Phantasie und Wirklichkeit nutzt und den Zuschauer einlädt, an der phantasiegeladenen Fahndung Leonidas’ mitzuspinnen.
2009-06-09 14:13
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