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Jakobs Bruder

D 2008. R,B: Daniel Walta. B: Oliver Pautsch. K: Robert Staffl. S: Philipp Schmitt. M: Thomas Kisser. P: Thomas Schmidt Film- und TV Produktion. D: Klaus J. Behrendt, Christoph Maria Herbst, Hannelore Elsner, Sophie Rogall, Julia-Maria Köhler, Wolfgang Packhäuser, Vassily Kazakos, Luka David Knezevic u.a.
95 Min. Alpha Medienkontor ab 4.6.09

Die Tragik eines Drehbuchs

Von Julian Bauer Das Drehbuch zu Daniel Waltas Debütfilm Jakobs Bruder handelt von den ungleichen Brüdern Jakob und Lorenz. Letzterer hat sich auf den Weg zu ersterem gemacht. Das Verhältnis zwischen beiden ist gespannt, doch zuhause wartet die vermeintlich an Alzheimer erkrankte Mutter. Die Familienzusammenführung als Road Movie. Das hat man schon mal gesehen, so plump aber schon lange nicht mehr. Die beiden Drehbuchautoren Oliver Pautsch und Daniel Walta haben sich dabei schön an die A’s und O’s der hochschulartigen Richtlinien fürs Drehbuchschreiben gehalten, sind unterwegs jedoch eingeschlafen.

Aber von vorne. Da gibt es einen Protagonisten und ein Ziel: Lorenz will Jakob nach Hause holen, weil die Mutter angeblich schwer krank ist. Was Jakob will und warum, ist dagegen nicht ganz klar. Womit wir bei den Konflikten angekommen wären, die sich wie folgt gestalten: Jakob streitet sich ständig mit Lorenz, weil dieser ihm angeblich das Leben zerstört hat. Wobei ihre verbalen Kabbeleien vorhersehbar und lächerlich sind, die Bilder einer volltrunkenen Klopperei zwischen den beiden Brüdern werden dann auch mit fideler Gitarrenpolka unterlegt. Zudem hat Jakob kein (gutes) Verhältnis zu seiner Mutter. Der Grund dafür könnte sexistischer kaum sein: Die Mama war nicht monogam. Immer wieder erinnert sich der arme Jakob in Rückblenden an seine schreckliche Kindheit, in der die Mutter wechselnde Sexualpartner hatte. Als er dann auch noch die Mutter mit ihrem neuen (jetzt auch endlich mal festen) Freund beim Sex erwischt, ist alles aus. Jakob bricht für zwanzig Jahre den Kontakt ab. Ist ja auch wirklich eklig.

Soweit die Rahmenbedingungen. Was dem Drehbuch jetzt noch fehlt sind Hindernisse. Hier bedient man sich schamlos bei allen möglichen filmischen Klischees, die dieses Genre zu bieten hat. Einige Beispiele: 1. Straßenkreuzungen in der Pampa, deren Straßenschilder umgekippt sind, so daß man nicht mehr sagen kann, in welche Richtung die Fahrt weitergehen soll. Natürlich probiert man mal einen Weg aus, um in der nächsten Einstellung wieder an derselben Kreuzung anzukommen. Auch die filmische Umsetzung dieser Szene, kann nicht gerade mit Einfallsreichtum von sich reden machen: Die Kamera fängt die Kreuzung aus der Vogelperspektive ein, die Stimmen der verwirrt genervten Autoinsassen kommen aus dem Off. 2. Der Roadtrip zum Heimatort vollzieht sich in einem uralten Volvo mit konstant aufschwelendem Motorschaden. Dieser ist gemeinsam mit 3. (Schlägerei mit bulligen Truckern, von denen sie dann angeblich auf der Autobahn verfolgt werden) Grund genug, um eine Reise von normalerweise einem halben Tag in alberne Längen zu ziehen. 4. Sie nehmen eine 17jährige Tramperin (Lara) mit, deren Vater-Tochter-Probleme zum Korrelat von Jakobs Mutter-Sohn-Problem gedeihen.

Hölzerne Parallelen zweier zerrütteter Familiengeschichten: »Und du, ganz alleine nach Italien?« »Warum denn nicht, ich bin doch schon 19… Na gut: 17.« »Dir ist schon klar, daß deine Eltern sich Sorgen machen?« »Tsss, von wegen! Meine Mutter… die hat mich verlassen. Und mein Vater… das einzige worüber der sich Sorgen macht, ist mein Notendurchschnitt. Alles andere ist dem scheißegal. Was macht denn ihr so?«

Verlorene Kinderträume und Erwachsenentrümmer verschmelzen zu einem Problem. Und komplementär dazu die Verlorenheit der Figuren in der weiten Welt, bebildert durch Totalen, in denen die Protagonisten ganz klein auf Rast- und Schrottplätzen zu sehen sind. Tradiertes Filmgut ist nicht zwangsläufig gut. Die A’s und O’s der hochschulartigen Richtlinien fürs Drehbuchschreiben kein Garant für gute Drehbücher.
2009-06-02 10:31

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