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Sunshine Cleaning

USA 2008. R: Christine Jeffs. B: Megan Holley. K: John Toon. S: Heather Persons. P: Back Lot Pictures, Big Beach Films. D: Amy Adams, Emily Blunt, Alan Arkin, Steve Zahn, Clifton Collins jr., Jason Spevack, Mary Lynn Rajskub, Eric Christian Olsen u.a.
102 Min. Capelight ab 21.5.09

Auf Hochglanz

Von Daniel Bickermann Die amerikanische Schauspielerei leidet seit einem guten Jahrzehnt an einer haarsträubenden Frauenkrise. Während sich bei den Männern ein gutes Dutzend Hochkaräter alljährlich um den Oscar streiten, muß die Academy bei den Frauen immer wieder auf Namen wie Taraji P. Henson, Saoirse Ronan, Rinko Kikuchi und Catalina Sandino Moreno zurückgreifen. Nun ist die Oscar-Verleihung beileibe nicht das Maß aller Dinge. Aber wenn jahrelang hübsche Glamourgirls, die einen singulären Ausflug ins ernste Fach machen, gleich mit Oscargold bedacht werden (wie Roberts, Kidman, Theron oder Berry), dann zeugt das doch von einem beängstigenden Trend. Dauerhaft herausragende Arbeit liefern in der jüngeren Generation eigentlich nur die Australierin Cate Blanchett, und die Britinnen Kate Winslet und Samantha Morton ab – lange sah es so aus, als gäbe es neben der übermächtigen Hilary Swank keine einzige amerikanische Junghauptdarstellerin von Format.

Doch nun, endlich, drängt eine neue Generation nach: Anne Hathaway und Amy Ryan durften schon hochverdiente Lorbeeren einsacken, und in Sunshine Cleaning geben sich zwei weitere Damen die Ehre, die schon längst über den Status von Nachwuchshoffnungen hinaus sind: Emily Blunt und vor allem Amy Adams brennen hier als ungleiches Schwesternpaar ein Schauspielfeuerwerk ab, wie man es lange nicht mehr erleben durfte.

Obwohl der eigentlich vielversprechende Plot von Megan Holley manchmal ein bißchen süßlich und belanglos ausgefallen ist, behalten Sylvia-Regisseurin Christine Jeffs mit einigen beeindruckenden Bildeinfällen und die Schauspielerinnen die Emotionen gut in der Balance – hier ist erneut Amy Adams zu erwähnen, die das seltene Talent hat, fünf oder sieben Emotionen gleichzeitig zu spielen, während ihr langsam die Gesichtszüge entgleisen. Sekundenlang kann sie die Kamera auf sich ziehen, ohne jemals langweilig oder unsubtil zu werden. Selbst in unwichtigen Szenen wirft sie mit winzigen Zeichen um sich – dieser Frau kommen derart viele Schauspielideen in den Kopf, daß sie noch welche zum Verschenken übrig hat. Daß sich Emily Blunt davon anstecken läßt und über weite Strecken noch die erstaunliche Mary Lynn Rajskub mit dazukommt und sich auf Augenhöhe der beiden Protagonistinnen kämpft, ist dabei nur der Zuckerguß auf der bittersüßen Schauspieltorte. 2009-05-14 10:34

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #54.

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