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The Last House on the Left

USA 2009. R: Dennis Iliadis. B: Adam Alleca, Carl Ellsworth. K: Sharone Meir. S: Peter McNulty. M: John Murphy. P: Midnight Entertainment, Rogue Pictures. D: Tony Goldwyn, Monica Potter, Garret Dillahunt, Aaron Paul, Riki Lindhome, Spencer Treat Clark, Sara Paxton, Martha MacIsaac u.a.
110 Min. Universal ab 14.5.09

Kein Texas Knuddelhasen Massaker

Von Nils Bothmann 1972 drehte Wes Craven einen kontroversen Film, von dem der Regisseur nach Ansicht selbst sagte, beim Dreh habe er das Gezeigte gar nicht als dermaßen heftig empfunden: Last House on the Left. Der in Deutschland unter Titeln wie Das letzte Haus links und Mondo Brutale veröffentlichte Filme wurde in mehreren Fassungen beschlagnahmt und ist de facto keine leichte Kost. Zwei Mädchen fallen einer Verbrecherbande auf der Flucht in die Hände, werden von ihnen vergewaltigt, erniedrigt und umgebracht. Nach der Tat haben die Mörder allerdings eine Reifenpanne und finden Unterkunft bei Anwohnern. Diese sind jedoch die Eltern des Mädchens, finden heraus, daß das bei ihnen eingenistete Quartett ihre Tochter auf dem Gewissen hat und bringen die Verbrecher in einem Akt von Selbstjustiz um. Dies ist die komplette Handlung von Cravens Film, an dessen Ende die bittere Erkenntnis steht, daß die bürgerliche Rache nicht weniger gnadenlos ist als der unmotivierte Sadismus der Verbrecher.

Diesen von der Perfektion zwar entfernten, aber doch zum Nachdenken anregenden Film für eine Generation neu zu verfilmen, die sich Hostel im Multiplex bei Popcorn und Cola ansieht, ließ Schlimmes befürchten. Denn im Gegensatz zu manch anderer Neuversion von Horrorstoffen der 1970er ist das Original krudes New-York-Undergroundkino in seiner extremen Form, das eben nicht so einfach auf Mainstream zu bügeln ist. Und tatsächlich hat das Remake den Mut, in manchen seiner Gewaltszenen wirklich unangenehm zu sein, eben mehr als nur ein »Texas Knuddelhasen Massaker« für gerade Volljährige, die auf der Suche nach filmischer Achterbahn ins Kino rennen. Gerade die Vergewaltigungssequenz in der Mitte des Films und der gemeinsame Mord der Eheleute an dem ersten der Verbrecher sind schwer anzusehen, präsentieren rohe, in gewisser Weise abschreckende Gewalt.

Jedoch bügelt das Remake diverse Kanten des Originals aus, macht den Stoff einfacher und konformer. Wo einst das Mädchen im Original den Freitod wählt, um den Qualen zu entgehen, überlebt es hier die Tortur, um den Zuschauer nicht zu sehr zu verstören. Aus dem geistig zurückgebliebenen Bruder von Chef-Verbrecher Krug wurde hier ein scheuer Sohn, der moralische Bedenken hat und sich vom Vater abwendet. Natürlich wird dieser Prozeß belohnt, während die Eheleute im Craven-Film selbst für den Zurückgebliebenen keine Gnade kennen. Signifikant ist jedoch die Abänderung der Rachethematik: Wo die Ehepartner im Original kurzen Prozeß mit den Verbrechern machen und sie eiskalt in die Falle locken, da sind hier nur noch Ansätze davon vorhanden. Stattdessen werden die Bösewichte meist in halben Notwehrsituationen und nach längerer Konfrontation umgebracht, was die moralische Fragwürdigkeit der Selbstjustiz natürlich etwas ausklammert. Gelegentlich wirft die kalte Professionalität des Vaters noch derartige Fragen auf, auch die Verführungsszene der Mutter, in der sie einen Verbrecher in trügerischer Sicherheit wiegen möchte, läßt noch Mut zur Kontroverse erkennen – die vergleichbare Szene aus der Vorlage ist jedoch deutlich radikaler.

So mag das Original wesentlich hintergründiger und mutiger gewesen sein, ein paar (budgetbedingte) Verbesserungen kann man dem Remake aber nicht absprechen. So hat das Team rund um Produzent Wes Craven mit Monica Potter und Tony Goldwyn zwei wirklich gute Schauspieler für die Besetzung des rachsüchtigen Elternpaares gecastet, deren Leistungen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch an der dramaturgischen Ungeschliffenheit des Originals versucht man hier noch zu feilen, was zumindest in der zweiten Hälfte gelingt. Sicherlich ist besagte Spannungsdramaturgie reichlich konventionell und scheint ein Ausdruck davon zu sein, daß man sich der mainstreamigen Pfade bewußt war, auf die man sich mit dem Remake begab. Doch rein handwerklich funktioniert das ausgiebige Finale immerhin als klassisches Survivalkino mit gelegentlichem Mut, moralische Fragen zu stellen – die finale Szene mit der zweckentfremdeten Mikrowelle ist allerdings ein peinliches Zugeständnis an Splatterfans. So hinterläßt The Last House on the Left mit seinen mal kontroversen, mal beschwichtigenden Momenten einen zwiespältigen Eindruck. Selbigen hinterließ das Original sicherlich auch, das war als Ausdruck eines wütend-rebellischen Undergroundkinos allerdings kraftvoller.
2009-05-13 11:10

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