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Wir sind alle erwachsen

Les grandes personnes. F/S 2008. R,B: Anne Novion. B: Béatrice Colombier, Mathieu Robin. K: Pierre Novion. S: Anne Souriau. M: Pascal Bideau. P: Moteur Síl Vous Plait, dfm Fiktion. D: Jean-Pierre Darroussin, Anaïs Demoustier, Judith Henry, Jakob Eklund, Lia Boysen, Anastasios Soulis, Dag Malmberg, Björn Gustafsson u.a.
84 Min. Alamode ab 7.5.09

Es fügt sich

Von Constanze Frowein Manchmal, wenn die Tastatur eines alten Klaviers angeschlagen wird, gehen die leisen Zwischentöne, das leichte Klackern etwa des Elfenbeins auf dem Holz des Klavierrahmens, wesentlich intensiver ins Gehör als die ausgewählten Noten. Ähnlich mutet Anna Novions Debüt-Kinofilm Wir sind alle erwachsen an. Sehr behutsam zeigt der Film auch lediglich Anklänge des Coming-of-Age-Themas mit scheinbar beiläufigen Gegebenheiten, die die Entwicklung der 17jährigen Jeanne zur Frau mitbestimmen.

Anna Novion erzählt die Beziehung von Vater Albert und Tochter Jeanne im Konzentrat eines Schweden-Urlaubs, stellt die Charaktere gegenüber: den vereinnahmenden Albert und die sich für ihn schämende und ihn doch sehr liebende Jeanne. Mit der Porträtierung des kauzig-störrischen und doch liebevollen Vaters, der mit einem Metalldetektor auf Schatzsuche geht, schenkt Jean-Pierre Daroussin dem Film mit seiner Darstellung Alberts einige bezeichnend komische Momente. Novion fängt auch Jeannes geheimen und doch ganz gemeinen Sehnsüchte ein. Mit der geschichtlichen Fügung, daß die Heranwachsende und ihr Vater unvorhergesehen das schwedische Ferienhaus mit zwei gestandenen Frauen, Annika und Christine, teilen müssen, rückt die Abwesenheit Jeannes Mutter ins Blickfeld. Die Kamera fängt die bewundernden Blicke Jeannes für die vermeintlich unabhängige Christine scheinbar nebensächlich ein. Ebenso unaufdringlich bindet Novion auch Liebesdinge selbstverständlich in das unvorhersehbare Personengeflecht ein. Sei es nun Jeanne, Christine, Albert oder Annika, die ihrer Jugendliebe begegnet. Genauso beiläufig poetisch wie viele Szenen des Films endet dieser dann auch – ohne belanglos abzuebben, nach der wunderbaren Flüchtigkeit von 84 Minuten.
2009-05-05 10:12

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