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Beverly Hills Chihuahua

USA 2008. R: Raja Gosnell. B: Jeffrey Bushell, Analisa Labianco. K: Phil Meheux. S: Sabrina Plisco. M: Sabrina Plisco. P: Walt Disney Pictures. D: Jamie Lee Curtis, Piper Perabo, Manolo Cardona, Jesús Ochoa, José María Yazpik, Maury Sterling, Axel Alba, Eugenio Derbez u.a.
91 Min. Walt Disney ab 30.4.09

Snob Doggy Dog

Von Natália Wiedmann Die computergenerierten Effekte sind perfekt: Hundegesichter, melancholisch, erschrocken, reumütig, pikiert – fast unmerklich erlaubt die Nachbearbeitung den sprechenden Vierbeinern eine erstaunliche Breite an mimischen Ausdrücken, die Hundeschnauze immer in Bewegung. Keine Frage, Disney kann mittels Trainern und Visual Effects einen Neunzigminüter fast ausschließlich mit Tieren bevölkern. Aber nur, weil man etwas kann, heißt das noch lange nicht, daß man es auch tun sollte.

Die Geschichte dieser Hundeshow, im Presseheft zu einer symbolischen Reise zu sich selbst verklärt und in etwa so mager wie deren Protagonistin, handelt von der versnobten Töle Chloe, die durch unglückliche Umstände in Mexiko verloren geht und – verfolgt von niederträchtigen Dognappern, unterstützt von einem integren Ex-Polizeihund – wieder nachhause finden muß. Unterwegs begegnet Chloe nicht zuletzt einer stolzen, freilebenden Chihuahua-Horde, deren Leitspruch »No más« lautet: Nie wieder wollen sie sich verhätscheln lassen, nie wieder als Spielzeuge dienen – ironische Worte für einen Film, der seinen einzigen Reiz daraus bezieht, gnadenlos das Kindchenschema auszunutzen und auf die Niedlichkeit putziger kleiner Hunde in lustigen Verkleidungen zu setzen.

Wenigstens macht der hündische Streifen aus seiner Belanglosigkeit keinen Hehl, schon das Plakat mit den kostümierten Kläffern verspricht nicht mehr als der Film einzuhalten in der Lage ist. Da man Hunde als Protagonisten wohl für originell genug hielt, griff man ansonsten auf bewährte Muster zurück, und so sieht man sie alle wieder: den alten Polizeiknochen mit dem weichen Herz und der Backstory Wound, den nachtschwarzbösen Latinogangster, pfiffige Kleinganoven mit Charme und das verwöhnte Upper-Class Girl, dessen Demütigungen zur inneren Läuterung führt. Letztgenannte Handlungsentwicklung ist dabei nach nur wenigen Filmminuten ebenso offensichtlich wie die zu erwartende Paarbildung. Soviel Nichtigkeit ist geradezu entwaffnend, da nimmt man auch die latente Frauenfeindlichkeit (nicht zuletzt in der Parallelisierung eitler Hunde und Party-Mädchen sichtbar) kaum übel – die Aneinanderreihung von Happy Endings hingegen schon. Erneut zeigt sich hier, was Disney am besten kann: Zielsicher todsichere Gefühlsauslöser zu bedienen und den Zuschauer gegen seinen Willen zu rühren. Das limbische System wird befeuert mit Selbstermächtigung und dem Finden verlorengeglaubter Stärke, einem Zuhause für die Heimatlosen, Wiedervereinigungen sowie Lebewohls und dem Verleihen einer Polizeimarke. Klar, Sie können sich selbst ein Bild davon machen. Aber wie schon gesagt: Nur weil man etwas kann, heißt das noch lange nicht, daß man es auch tun sollte.
2009-04-29 10:01

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