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Die Frau des Anarchisten

D/E/F 2008. R,B: Marie Noëlle, Peter Sehr. B: Dominique Garnier. K: Jean-François Robin. S: Luis de la Madrid. M: Frederic Sanchez. P: P'Artisan, Cargo Films u.a. D: Juan Diego Botto, María Valverde, Nina Hoss, Edgar Sehr, Irene Visedo, Adrià Collado, Biel Durán, Jean-Marc Barr u.a.
122 Min. Zorro ab 30.4.09

Bewegtbilder

Von Sascha Ormanns Meeresrauschen begleitet die Filmcredits, die zu wechselndem Hintergrund eingeblendet werden. Schon die Einführung durch Texteinblendungen und Offkommentar signalisiert eine eher klassische Inszenierung in Marie Noëlles und Peter Sehrs Die Frau des Anarchisten. Die Visualisierung ordnet sich hier der Geschichte unter und dient im Prinzip nur der nüchternen Bebilderung; diese zurückgenommene Herangehensweise erscheint durchaus adäquat und ermöglicht es dem Zuschauer, sich komplett auf das Erzählte zu konzentrieren. Dummerweise scheitert der Film auf dieser für ihn so essentiellen Ebene in mehrfacher Hinsicht.

Zwischen spanischem Bürgerkrieg, Franco-Regime und Rebellentum konzentriert sich das Drehbuch vor allem darauf, wie sich all diese Faktoren auf eine Familie auswirken. Um diese Dynamik in einem mehrere Jahre umfassenden Zeitraum und unter divergenten politischen Einflüssen zu beleuchten, war es schon rein konzeptionell nötig, gewisse Handlungsstränge zu vernachlässigen, womit im vorliegenden Fall allerdings auch eine unzureichende Figurenzeichnung einhergeht.

Hauptproblem des Films ist wohl die immer größer werdende und seltsam anmutende Distanz, die der Betrachter zu den Protagonisten aufbaut. Dabei kommt den Schauspielern, die es mit ihrer hölzernen Art ohnehin nicht vermögen, Sympathie zu erzeugen, eine unpassende Synchronisation äußerst ungelegen, da diese das Problem der Nichtidentifikation nur noch potenziert. Obgleich Die Frau des Anarchisten eigentlich genügend dramatische Ereignisse beinhaltet, um Mitgefühl oder Spannung zu erzeugen, schaffen es weder die Darsteller noch die in ihrer Anmutung eher dem Fernsehfilm zuzuordnenden Bilder – die mit Dokumentarmaterial unterfüttert werden – die Problematik der Handlungszeit angemessen zu vermitteln und schon gar nicht das Interesse des Publikums aufrechtzuerhalten. Der Betrachter bleibt stets seltsam isoliert. Zwar liegt der Fokus hier eindeutig auf beschriebenem Familienkonflikt, doch hätte eine differenziertere Darstellung der Umstände die Motivation der Figuren zumindest ansatzweise verdeutlichen und somit zu einem Grundverständnis der Gefühlswelt aller beitragen können. Daß Marie Noëlle diese nämlich am Herzen liegt, spürt man durchaus, doch versteht sie es nicht, diese auf den Zuschauer zu projizieren. Eine unkoordinierte Aneinanderreihung tragischer Ereignisse genügt eben nicht, um aus Bewegtbildern bewegende Bilder zu kreieren.
2009-04-23 10:20

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #54.

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