— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Das Festmahl im August

Pranzo di ferragosto. I 2008. R,B: Gianni Di Gregorio. B: Simone Riccardini. K: Gian Enrico Bianchi. S: Marco Spoletini. P: Archimede. D: Gianni Di Gregorio, Valeria De Franciscis, Maria Laura Cali, Marina Cacciotti, Grazia Cesarini Sforza, Alfonso Santagata, Luigi Marchetti, Marcello Ottolenghi u.a.
75 Min. Pandora ab 30.4.09

Zuhause bei Gianni

Von Marieke Steinhoff Rom im August – die ewige Stadt ist leer, die Luft flirrt vor Hitze, Geschäfte bleiben geschlossen; nur verloren wirkende, transpirierende Touristen schleppen sich an monumentalen Bauwerken vorbei, auf der Suche nach der nächsten Wasserfontäne.

Der römische Hochsommer ist die zweite Hauptfigur in Gianni Di Gregorios Debütfilm Das Festmahl im August; die Hitze und die daraus resultierende Langsamkeit geben das Tempo und die Stimmung vor, auch wenn der Hauptteil des Geschehens nicht auf der Straße, sondern in Giannis Wohnung stattfindet. Dort finden sich am Abend vor Ferragosto, einem der wichtigsten Feiertage des Landes, mehr oder weniger unfreiwillig vier schrullige alte Damen und der nicht minder schrullige Gianni zusammen, der, als Sohn der aristokratischen Hausherrin, die Verantwortung für das leibliche Wohl der Gäste trägt. Es wird gekocht, getrunken, geraucht und wieder gekocht, und dazwischen kommt es zu kleinen Zickereien, Spielereien, Annäherungen und Ausbrüchen aus der Enge der Wohnung.

Unprätentiös und ganz nah dran am römischen Alltagsleben zeichnet Di Gregorio mit einfachen Mitteln eine liebevolle Skizze italienischen Familienlebens; das Klischee des Sohnes über fünfzig, der noch zuhause lebt und alles tut, um es »la mamma« recht zu machen, mischt sich mit behutsamen und aufmerksamen Studien über das Altwerden. So mutet Das Festmahl im August stellenweise gar dokumentarisch an; man schaut teils amüsiert, teils auch etwas betrübt ob der Einsamkeit und der körperlichen Gebrechen den alten Damen dabei zu, wie sie sich gegenseitig abstoßen und dann doch wieder annähern. Die Handkamera bleibt derweil dicht an den Protagonistinnen und umschmeichelt zärtlich die nicht mehr ganz so jungen Gesichter. Die Handlung entfaltet sich langsam, oft hat man das Gefühl, Szenen seien spontan entstanden, als hätten sich die vier Seniorinnen – allesamt Laiendarstellerinnen – unbeobachtet gefühlt und das getan, was sie sonst auch tun würden. Hier liegt auch die Schwäche dieses kleinen, feinen Films – man wünscht sich beinahe, Di Gregorio hätte mehr inszeniert und das Tempo ein wenig angezogen, denn teilweise scheint der Film fast stillzustehen. Aber: So muß sich ein Feiertag bei unerträglicher Hitze in der ausgestorbenen Stadt wohl anfühlen, und in seiner Entscheidung, dem alltäglichen Geschehen nichts weiter hinzuzufügen, bleibt Di Gregorio zumindest konsequent.
2009-04-27 10:19

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #54.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap