Eine Bootsfahrt, die ist lustig
Von Mary Keiser
Früher war nicht alles besser. Aber einfacher. Vor vierzig Jahren schmiß man einfach den Kamm in den Müll und Rock'n'Roll auf den Plattenteller, schon war man ein Rebell und gegen das System. Heutzutage muß man immer erst nachdenken, bevor man Stellung bezieht, womöglich BWL oder Jura studieren, um das »System von innen heraus zu bekämpfen«. Filme wie
Die fetten Jahre sind vorbei berauben die Rebellion gar ihres Gegenstands, denn der Klassenfeind ist eigentlich ganz okay. Auch die Guten trifft es, nicht einmal Batman bleibt von Ambivalenz verschont. Da kommen leicht nostalgische Gefühle auf. Die DJs des englischen Piratensenders »Radio Caroline« wurden 1964 zu Vaterlandsverrätern, nur indem sie von einem Boot aus Rockmusik sendeten. Inspiriert von ihrer Geschichte inszenierte Richard Curtis eine herrlich unsachliche Komödie, in der alles entweder schwarz oder weiß ist bzw. bunt wie das Hippieleben oder grau wie der Beamtenalltag.
Minister Dormandy, amüsant spröde gespielt von Kenneth Brannagh, widmet sein Leben dem Kampf gegen »Radio Rock«. Der Ordnungshüter ist so verkniffen wie die DJs freizügig. Während die Frau des ersteren in Temperament und Aussehen an Margaret Thatcher erinnert, lassen die Radiorocker regelmäßig ihr testosterongetriebenes Boot von einer Freiwildherde Mädels stürmen. Als Carls jedoch gerade erobertes Liebchen spontan mit Dave in die Koje springt oder Simons Frau nach nur einem Tag Ehe Gavin vorzieht, befürchtet man schon, es würde jetzt an die Kehrseite des frivolen Lebensstils gemahnt – stimmt aber nicht, denn bald lachen alle wieder. Der Film übertreibt die Klischees der Zeit und zitiert wiederum Filme, die diese Klischees etabliert haben, zumindest tanzen und singen die Protagonisten gerne mal los wie in
Hair. Aber auch, wenn die Songs auf jedem Golden Oldies-Sampler zu finden sind, harmonieren sie dank perfekten Schnitts mit den Bildern und kommentieren nicht selten das Geschehen. Nicht mehr und nicht weniger als gute Unterhaltung also, vor allem dank der Besetzung. Besonders Philip Seymour Hoffman als The Count und Bill Nighy als Quentin kauft man die schrägen Typen einfach ab.
2009-04-09 11:16