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Crank 2 – High Voltage

Crank: High Voltage. USA 2009. R,B: Mark Neveldine, Brian Taylor. K: Brandon Trost. S: Mark Jakubowicz, Fernando Villena. M: Mike Patton. P: Lakeshore Entertainment, Lionsgate. D: Jason Statham, Amy Smart, Bai Ling, David Carradine, Corey Haim, Dwight Yoakam u.a.
85 Min. Universum ab 16.4.09

Kickstart My Heart

Von Nils Bothmann Wie setzt man einen Film fort, in dessen Verlauf der Held sein vergiftetes Herz durch Adrenalinschübe am Leben erhalten mußte, ehe er den dafür Verantwortlichen während eines Sturzes von der New Yorker Skyline herab tötete und anschließend auf dem Asphalt aufschlug? Am besten gar nicht. Oder man läßt ihn direkt danach von einer ominösen Horde Gangster via Schneeschaufel aufkehren, die ihm dann ein künstliches, elektrisches Herz einsetzen. Die Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor entschieden sich für letzteres, und tatsächlich fahren sie damit ziemlich gut – zumindest für selbstironische zehn Minuten, denn danach geht das Sequel zu dem erfrischenden, politisch herrlich inkorrekten Crank von 2006 völlig den Bach runter.

Dieses Versagen ist zum Großteil der Tatsache geschuldet, daß man hier versucht, in jeder Hinsicht noch eins draufzusetzen, obwohl der Erstling bereits reichlich abgedreht war. Dies fängt bereits auf der Ebene der Inszenierung an. Der Schnitt ist noch hektischer, die Kamera rast durch die Gegend wie ein Eichhörnchen auf Ecstasy, und es hagelt wilde Überblendungen en masse. In einer völlig surrealen Einlage prügeln sich Protagonist Chev Chelios und ein Opponent im Stil alter Godzilla-Filme aus den 1950ern, doch da hat Crank 2 den Zuschauer bereits abgehängt, da dieser Übereinsatz von Stilmitteln nur noch anstrengend wirkt.

Über weite Strecken ist Crank 2 zudem gefilmt wie ein billiges Hip-Hop-Video, bei dem die Kamera ebenso genüßlich wie ausführlich in Detailaufnahmen auf leicht bekleidete und halbnackte Frauenkörper hält. Doch das ist nur ein Teil der inhärenten, richtiggehend primitiven Frauenverachtung, die Crank 2 durchzieht. Selbst Chevs Freundin ist quasi nur zur Triebabfuhr da, eine von Bai Ling gespielte verblödete Prostituierte darf den Helden den ganzen Film über nerven, und zwischendrin wird der Zuschauer noch mit zweifelhaften Gags wie durchschossene und auslaufende Silikonbrüste konfrontiert. Der Rest des Humors hat allerdings auch kaum mehr Niveau: Witze über Klischee-Schwule, körperliche Behinderungen und Schmerzen im Genitalbereich sind da an der Tagesordnung und in etwa so lustig wie ein volltrunkener Altherrenstammtisch.

Inmitten des bunten Treibens, das gelegentlich fast in Trashregionen vorstößt, sucht der Actionfan vergebens nach den Qualitäten des Vorgängers. Es gibt deutlich weniger Actionszenen, gelungene Einfälle wie Chevs drogenumnebelte Motorradfahrt aus dem Vorgänger gibt es hier nur selten, z.B. eine Verfolgungsjagd, die an Innen- und Außenseite eines Parkhauses begangen wird. Darüberhinaus ist es vor allem die Inszenierung, die sich als Sargnagel erweist: Inmitten des Schnittgewitters und Kameragewusels verliert der Zuschauer ebenso schnell Übersicht wie Interesse an den Schießereien.

Insofern gilt die alte Regel, daß weniger manchmal mehr ist, gerade im Vergleich zum Vorgänger: Aus politisch inkorrekt wird primitiv, aus übertrieben wird überkandidelt. Jason Statham bleibt einziger Ruhepol in dem hektischen Treiben, doch auch er kann diesen Film nicht retten, zumal die Geschichte an sich bloß den ersten Teil wiederholt, nur daß Chev sein Herz hier mit Stromschlägen anstelle von Adrenalinschüben aufladen muß. Da wäre »Kickstart My Heart« von Mötley Crue die richtige Hymne gewesen, aber die verwendete jüngst bereits Shoot ’Em Up – da ist sie dann auch in einem wesentlich besseren Film aufgehoben.

2009-04-14 10:15

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