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Unbeugsam – Defiance

Defiance. USA 2008. R,B: Edward Zwick. B: Clayton Frohman. K: Eduardo Serra. S: Steven Rosenblum. M: James Newton Howard. P: The Bedford Falls, Grosvenor Park. D: Daniel Craig, Jamie Bell, Liev Schreiber, Alexa Davalos, Allan Corduner, Mark Feuerstein, Tomas Arana, Jodhi May u.a.
137 Min. Constantin ab 23.4.09

Der Judenflüsterer

Von Christian Lailach »If I was a German, you’d be dead!« Mr. Bond höchstpersönlich erscheint auf der Leinwand und schafft es, dein schlimmstes Vorurteil binnen der ersten Minuten Wirklichkeit werden zu lassen. Du weißt bereits jetzt, daß du diesen Satz den restlichen Abend nicht mehr loswerden kannst, und so tauchst du ein in die Parallelwelt deiner Gedanken, fragst dich, ob die einzig wahren Helden des amerikanischen Kinos wirklich nur Connery, Moore, Brosnan oder Craig heißen können, was bedeuten würde, daß jeder Darsteller, der es schaffte, öfter als zwei Mal 007 am Revers zu tragen, automatisch in den Olymp aufsteigt. Bewegt sich nicht auch der kleine Balletttänzer wie ein Dandy, wenn er leicht bewaffnet durchs Grün springt und hinter den nächsten Baum hechtend Deckung sucht? Du hast dich wieder einmal in der Charakter-Stempelei verrannt; bist in Gedanken, wie gesagt.

Edward Zwick zaubert derweil Hollywood nach bester Manier auf die örtliche Multiplexleinwand. 1941, Rußland: Drei jüdische Brüder im Widerstand. Der eine errichtet für die letzten Juden ein Lager in den weißrussischen Wäldern, flüchtet mit einer immer zahlreicheren Schar von einer Tiefe in die nächste. Der andere kämpft an der Seite der Partisanen für ein freies Rußland. Und beim Jüngsten reift im naiven Rebellen das Verantwortungsbewußtsein. Das ist Geschichte, Bildung; die Wahrheit auf Texttafeln. Craig, Schreiber und Bell besetzen ihre Rollen, sprechen den Text und tun alles dafür, daß die zu Bildenden den Saal nicht verlassen. Irgendwo zwischen Drama, Action, Schauspielschule und Geschichtsstunde läßt sich all dies verorten. Alles mau und manieriert. Nahezu nichts sticht heraus in einem Film ohne wahre Spannung, konfliktscheu wie leidenschaftslos.

Ein wenig scheint es, als wähle Zwick immerzu den Mittelweg, den güldenen. Schwimmt es sich doch dort im Hagel der Kritik ganz gut, keinesfalls schlecht. Die Historie nicht wirklich verkitscht, die Actionszenen nicht allzu ausgedehnt. Immer schön Distanz wahren zu einer klaren Position, zu dem Schicksal der Juden. So sieht sie also aus wie so oft, die amerikanische Geschichtsmalerei: ein Mix aus James Bond, dem Pferdeflüsterer und Schindlers Fürsorge. Zum Tagestip reicht das allemal!

2009-04-21 11:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #54.

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