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Dorfpunks

D 2009. R: Lars Jessen. B: Norbert Eberlein. K: Michael Tötter. S: Sebastian Schultz. M: Jakob Ilja. P: Schramm Film. D: Cecil von Renner, Ole Fischer, Pit Bukowski, Samuel Auer, Axel Prahl, Peter Jordan, D 2009. R: Lars Jessen. B: Norbert Eberlein. K: Michael Tötter. S: Sebastian Schultz. M: Jakob Ilja. P: Schramm Film. D: Cecil von Renner, Ole Fischer, Pit Bukowski, Samuel Auer, Axel Prahl, Peter Jordan, Daniel Michel, Laszlo Horwitz u.a.
90 Min. Piffl ab 23.4.09

Dorf, Disco, Depression

Von Friederike Horstmann Die eigene Geschichte als Buch, als Theater, als Film – immer wieder verändert, verrückt, abgeschliffen: 2004 veröffentlicht Rocko Schamoni seine Vorortbiographie »Dorfpunks«, die von den Teenagerjahren in der Holsteinischen Schweiz Anfang der 1980er Jahre handelt. 2008 wird »Dorfpunks« am Schauspielhaus Hamburg inszeniert. Die Rechte für die Verfilmung, die nunmehr letzte mediale Metamorphose, hat Schamoni für zwei Halbe Augustiner vergeben. Inszeniert wird sie an Originalschauplätzen: norddeutsche Kleinstadt, flaches Land, weite Haferfelder. In der norddeutschen Provinz ist das Tageslicht dämmrig, der Himmel ein graues Gewölk. Den Dorfpunks wird wenig Geschichte angedichtet, sie werden vor allem durch ihre Sprache belebt. Sie sind charmante Maulhelden mit jugendüblicher Schwadronierkunst. Reden über Musik, über Mädchen: komisch und trist, lakonisch und unbehauen. Mit norddeutschem Akzent, mit rund gewaschenen Konsonanten werden die Karlsquelldosenbiere verteilt: »Paar Dousn gude Launä«.

Hinter solchen Pointen lauert Tristes. Ausbrechen aus Langeweile und Enge, Suche nach Lebensmittelpunkten: zielloser Tatendrang, Zerstörungslust, Vollräusche. Es wird eine Band gegründet, Punkschrammelmusik im Elternhaus. Auf den Partys ist die Kamera beschwipst von Alkohol und Punkmusik.

Die Musik ist dem Film nicht einfach unterlegt, sie gibt ihm seinen Rhythmus: wunderbare Punkklassiker von den Buzzcocks, Fehlfarben und Mutter – empfohlen von Schamoni selbst. Leider schmiegen sich an die Bilder auch immer wieder buttrige Elektroklaviercollagen zwischen Lounge und Hotel-Lobby. Durch diese akustische Nostalgisierung wird die Punkprovinztristesse mit einer Schicht von rührseligem Glanz überzogen, die Jugend vom Land angekitscht. Die Verfilmung von Schamonis Jugenderinnerungen ist hübscher gemacht, weniger schäbig. Rocko Schamoni sagt: Spackigkeit ist der Schmutz, der glänzt. Mehr Spackigkeit, mehr glänzende Dreckfirnis hätten besser verdeutlicht, was es heißt, an einem Ort zu leben, den man früh verlassen sollte, wenn man noch etwas vorhat im Leben. Für Momente aber ist der Film doch wie Edelpils von Karlsquell, wie ein paar Dosen gute Laune.

2009-04-22 11:30

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #54.

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