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C'est la vie – So sind wir, so ist das Leben

Le premier jour du reste de ta vie. F 2008. R,B: Rémi Bezançon. K: Antoine Monod. S: Sophie Reine. M: Sinclair. P: Mandarin Films. D: Jacques Gamblin, Zabou Breitman, Déborah François, Marc-André Grondin, Pio Marmaï, Roger Dumas, Cécile Cassel, Stanley Weber u.a.
114 Min. Kinowelt ab 23.4.09

Eine schrecklich nette Familie

Von Lena Serov Episodisch erzählt C’est la vie – So sind wir, so ist das Leben über einen Zeitraum von zwölf Jahren hinweg aus dem Leben von Marie-Jeanne und Robert und ihren drei Kindern: Albert, Raphaël und Fleur. Jede Episode beschäftigt sich mit einer Figur und akzentuiert ihre Haltung zum Leben und zur Familie, sei es die Sehnsucht der Mutter nach ihrer verlorenen Jugend, die traumwandlerische Attitüde Raphaëls oder die Rebellionswut der Jüngsten, Fleur. Der Originaltitel Le premier jour du reste de ta vie verdichtet diese Erzählhaltung des Films auf wunderbar poetische Weise (und zitiert damit einen Schlüsselsatz aus Sam Mendes’ American Beauty).

Die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die Figuren und ihre Wandlungen über die Jahre verlangen nach einem starken Ensemble. Die Schauspieler vermitteln mit Leichtigkeit das Gefühl unterschiedlicher Lebensphasen und den Zeitgeschmack der 1980er und 90er. Zwischen Tragik und Komik, Verzweiflung und Glück bewegen sich die Emotionen der Figuren. Nicht umsonst wurden vier der fünf Hauptdarsteller für den César nominiert.

Bezançons zweite Spielfilmarbeit zeugt von der Neugier zum Experiment, wenn er surrealistische Momente einbaut, und vom ambitionierten Gestaltungswillen, wenn unterschiedliche Bildsprachen herangezogen werden, um damit die Perspektive des jeweiligen Charakters widerzuspiegeln. So ist die Szene, in der der älteste Sohn der Familie – Albert – auszieht, meist in distanzierten Totalen festgehalten, die Rebellion Fleurs wird mit einer bewegten Kamera eingefangen, und beim Zusammentreffen der Familie werden die Figuren in nahen Einstellungen bzw. Großaufnahmen fotographiert, die Intimität suggerieren. Der Schnitt läßt letztlich eine Filmcollage aus Erinnerungen und Erlebnissen entstehen – eine Struktur, die bereits in nuce durch den liebevoll gestalteten Vorspann vorgegeben ist. Dieser montiert Fotographien, Home- und Urlaubsvideos zu einem dynamischen Familienalbum und konzentriert damit die heutigen familiären Erinnerungs- und Vergegenwärtigungsformen vergangener Zeiten. 2009-04-16 10:45

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #54.

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