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Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile.

Fast & Furious. USA 2009. R: Justin Lin. B: Chris Morgan. K: Amir Mokri. S: Christian Wagner. M: Brian Tyler. P: Neal H. Moritz, One Race, Original Film, Universal Pictures. D: Vin Diesel, Paul Walker, Jordana Brewster, Michelle Rodriguez, John Ortiz, Sung Kang u.a.
107 Min. Universal ab 2.4.09

Ich fahre, also bin ich

Von Nils Bothmann Ist Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile ein im Actiongewand verstecktes Sozialdrama über verarmte tanzfreudige Frauen in Los Angeles? Mit zu wenig Geld für vernünftige, den Körper wirklich bedeckende Kleidung müssen sie ihrer Lieblingsbeschäftigung zu Wichtel-Hip-Hop nachgehen, während Männer auf wie vor der Leinwand sie anstarren und wie Ware behandeln. Möglicherweise ist Fast & Furious 4 tatsächlich so gedacht. Wahrscheinlich ist es aber doch nur der neueste Aufguß einer Boliden-Saga, deren Protagonisten Seligkeit bloß bei der nicht vorschriftskonformen Benutzung ihres Autos finden. Heuer sind wieder die Hauptfiguren und -darsteller des Erstlings an Bord, wobei Originalteil Michelle Rodriguez schnell via Leinwandtod ausgebaut wird, damit Verbrecherfahrer Vin Diesel einen Grund hat, gemeinsam mit FBI-Agent Paul Walker gegen einen undurchsichtigen Drogenbaron ins Feld zu ziehen.

Wie bereits die Vorläufer fußt Fast & Furious 4 nicht auf einem intellektuellen Fahrgestell, auch das tiefergelegte Dialogniveau war zu erwarten. Doch trotz dieser Macken wußte zumindest das Einsteigermodell bei entsprechenden Erwartungen zu gefallen, bei den Nachfolgern wurden die Schwächen eklatant größer. Bei der Probefahrt mit dem neuesten Produkt fällt vor allem das unausgereifte Skript-Navi auf, welches den Fahrer oft über unnötige Subplot-Umwege zum angepeilten Happy End leitet, anstatt pragmatisch und ausgereift dorthinzuführen. Leider ist auch das Logik-Update für die Bordsoftware noch nicht verfügbar, wodurch sich merkliche Mängel ergeben. So behauptet FBI-Agent Walker bei der Konfiszierung von sichergestellten Drogen, sollte der Fiesling sein Geschäft einfach weiterbetreiben, gehe man damit jetzt an die Öffentlichkeit. Sein Gegenvorschlag ist, dem Verbrecher besagte Drogen nun zum Tausch anzubieten, so sei dieser gezwungen, sich zu zeigen – obwohl der Verlust bei Nicht-Tausch natürlich identisch ist.

Von den Vorgängermodellen brav abgekupfert ist die optische Gestaltung von Fast & Furious 4, der Verantwortliche Justin Lin fabrizierte bereits den dritten Teil der Auto-Saga. Insofern muß man sich auf im wahrsten Sinne des Wortes gelackte Bilder, neumodische Überblendungen und Gegenlichtaufnahmen einstellen; zudem kupfert man szenenweise Designdetails von anderen Herstellern ab: Eine mit Handkamera gefilmte Verfolgungsjagd ruft Erinnerungen an die Bourne-Franchise wach. Wichtigster Bestandteil unter der Haube von Fast & Furious 4 ist natürlich wieder die Adrenalineinspritzung, die ganz zufriedenstellend funktioniert, sieht man von gelegentlichen CGI-Verstopfungen der Leitung ab (z.B. bei einer fast komplett aus dem Rechenknecht stammenden Verfolgungsjagd durch einen Tunnel). Aufwendige Stunts und reichlich Hetzjagden per pedes oder im Auto sorgen dabei für ein Mindestmaß an Fahrspaß, wirklich mehr bietet Fast & Furious 4 allerdings nicht. Insofern können hartgesottene Fans der F&F-Reihe auch zum neuen Modell greifen, schlechter als der direkte Vorgänger ist die neueste Ausgabe nicht. Der etwas offenere Kunde greife hingegen lieber zum ein paar Monate älteren Death Race von der Konkurrenz. Der befriedigt zwar auch keine höheren Ansprüche, funktioniert in der Hubraumklasse Oberflächenkino aber deutlich besser.
2009-03-31 15:53

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