— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Bis später, Max!

Love Comes Lately. D 2008. R,B: Jan Schütte. K: Edward Klosinski, Chris Squires. S: Katja Dringenberg, Renate Merck. M: Henning Lohner. P: Dor-Film. D: Otto Tausig, Rhea Perlman, Barbara Hershey, Tovah Feldshuh, Elizabeth Peña u.a.
86 Min. 3 Rosen ab 9.4.09

Junge, komm bald wieder

Von Carsten Happe Die Liebe kommt, die Liebe geht – auch mit dem fast 80jährigen Max Kohn treibt sie ihre unbarmherzigen Spielchen. Doch der ­österreichische Emigrant jüdischer Herkunft hat in seinem Leben genug gesehen, als daß er sich von den Stürmen der Liebe umwerfen ließe; er hat auch entsprechend vieles verarbeitet: Als erfolgreicher Schriftsteller führen ihn Lesereisen die US-amerikanische Ostküste entlang – und in immer neue amouröse Verwicklungen. Dabei verschränken sich zunehmend Max’ eigene Liebesabenteuer mit denen seiner Romanhelden, die frappante autobiographische Züge tragen – oder inspiriert hier etwa die Kunst das Leben?

Literatur und Literaten leinwandgerecht zum Leben zu erwecken ist wahrlich kein leichtes Unterfangen, allzu schnell trüben verstaubte Bibliotheken die Sicht, zerknittern abgetragene Tweedjacketts die Tonspur. Nicht so bei Jan Schütte, der mit Bis später, Max! drei von jüdischem Wortwitz und melancholischer Lebensweisheit durchtränkte Kurzgeschichten des Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer kompilierte und sie mit entwaffnendem Charme und Leichtfüßigkeit – wie ironisch das bei diesem betagten Protagonisten auch klingen mag – in Szene setzte.
Markante Momente seiner abenteuerlichen Lesereisen dienen Max Kohn (und dem Film) immer wieder als Gelegenheit, in imaginierte Welten abzutauchen, die der Realität nur um wenige Zentimeter verrückt erscheinen, manchmal zu schön, um wahr zu sein, manchmal gottlob nur fiktiv. Aber in der kunstvollen Montage zeigen sie vor allem sehr eindrucksvoll den kreativen Prozeß des literarischen Verwertens, der Inspirationen und ihrer Transformationen. Mit Otto Tausig, ebenso österreichischer Emigrant wie der Charmeur Max, in der Titelrolle glänzend besetzt, gelingt Jan Schütte eine warmherzige Komödie über das Schreiben und sich treiben lassen, über die Gelassenheit des Alters und liegengelassene Aktentaschen. Zugleich zeichnet er mit sanfter Ironie ein feinsinniges Porträt der Ostküsten-Intelligenzia wie des Rentner-Paradieses oder Ghettos Florida, je nach Perspektive. Schön dich zu sehen, Max!
2009-04-03 11:53

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #53.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap