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Inside Hollywood

What Just Happened? USA 2007. R: Barry Levinson. B: Art Linson. K: Stéphane Fontaine. S: Hank Corwin. M: Marcelo Zarvos. P: 2929 Productions, Art Linson Productions, Tribeca Productions. D: Robert De Niro, Sean Penn, Bruce Willis, John Turturro, Robin Wright Penn, Catherine Keener u.a.
107 Min. Concorde ab 26.3.09

Film-im-Film-Film

Von Dietrich Brüggemann Es gehört zu den Eigenheiten Hollywoods, alle paar Jahre eine Hollywood-Satire zu produzieren. Dabei können große Werke herauskommen wie zum Beispiel Robert Altmans The Player, es kann aber auch in die Hose gehen wie bei An Alan Smithee Film, der tatsächlich so hieß und dann auch einer wurde.

Diesmal ist Robert de Niro unser Reiseführer durch Eitelkeit, Intrige und Wahnsinn. Er spielt einen alternden Produzenten, dessen neuestes Werk bei den Testvorführungen katastrophal durchfällt, weil am Ende ein Hund erschossen wird. Die eiskalte Studiochefin verfügt Änderungen, der drogenaffine Rockstar-Regisseur wird hysterisch, aber das größte Problem ist, daß Bruce Willis, der Star des nächsten Films, einen imposanten Rauschebart trägt und sich weigert, den abzurasieren, woraufhin das Studio sich weigert, mit ihm zu drehen. Der Wutanfall, den Willis daraufhin zelebriert, ist beeindruckend, und man fragt sich, wen er damit wohl meint – vermutlich nicht sich selbst, aber sicherlich den einen oder anderen Kollegen. Und genau das ist die interessanteste Frage, bei Schlüsselromanen wie bei Film-im-Film-Filmen: Was wird hier eigentlich in Wirklichkeit erzählt?

Art Linson, Produzent und Drehbuchautor, veröffentlichte 2002 ein autobiographisches Buch über das Leben in Hollywood, vermutlich entschärft genug, um seine Karriere nicht zu gefährden, und für den Film fiktionalisierte er es nochmal. Barry Levinson ist als Regisseur für hintersinnig-sardonische Realitätsschilderung bekannt – der Mann fürs Grobe war er nie. Wer also eine knallharte Abrechnung sucht, wird hier keine finden. Trotzdem ist Inside Hollywood eine kluge, überragend gespielte und ausgesprochen hintersinnige Komödie, die auf ihre Art ehrlicher wirkt, als wenn sie die ganz große Enthüllung verspräche. Undifferenzierte Geister werden diesem Film vorhalten, daß er niemandem wehtut – aber in einem Gewerbe, in dem es permanent darum geht, wer wem wehtut, ist es ein ziemlich kluger Schachzug, sich auf die Zwischentöne, die Figuren und ihre Geschichte zu konzentrieren. 2009-03-19 11:10

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #53.

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