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Die Herzogin

The Duchess. USA 2008. R,B: Saul Dibb. B: Jeffrey Hatcher, Anders Thomas Jensen. K: Gyula Pados. S: Masahiro Hirakubo. M: Rachel Portman. P: BBC, Magnolia Mae Films, Pathe, Qwerty Films. D: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Charlotte Rampling, Dominic Cooper, Hayley Atwell u.a.
110 Min. Kinowelt ab 26.3.09

It-Girl in Spätrokkoko

Von Esther Buss Nachdem jede Woche ein neues It-Girl ausgerufen wird und sich der Begriff durch den inflationären Gebrauch inzwischen völlig entleert hat, bleibt eigentlich nur der Blick in die Vergangenheit – in der Hoffnung, vielleicht dort noch einige unverbrauchte Exemplare zu entdecken. Sofia Coppola gelang das mit Marie Antoinette sehr überzeugend – der Film war zwar im Grunde todlangweilig, aber doch sehr stringent in seiner Inszenierung der französischen Königin als konsumwütige und in Rosa vernarrte Pop-Ikone.

Die Figur der Georgiana Spencer, angeblich eine entfernte Verwandte Lady Dianas, bietet sich für diese zeitgenössische Interpretation fast ebenso maßgeschneidert an. Aus der Enge ihrer beklemmenden Ehe flüchtete sich die spätere Herzogin von Devonshire in die rauschhafte Welt der Bälle und, wie der Film nur am Rande andeutet, in Glückspiel und Alkohol. Während der häusliche Druck immer größer wird – sie muß ihrem gefühlsarmen Mann einen männlichen Erben gebären, was dieser mit allen Mitteln zu erzwingen versucht, entwickelt sich »G« zu einer beliebten Celebrity und Fashion-Ikone, die für ihren eigenwilligen Modestil bewundert und nachgeahmt wird.

Natürlich sind die Kostüme üppig und prachtvoll, wobei man einschränkend sagen muß: Spätrokkoko steht der ausgehungerten Keira Knightley nicht hundertprozentig gut. Perücken spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle in dem Film, beeindruckend hohe Haartürme, auf denen sich so allerhand angesammelt hat: Blumen, Früchte, ausgestopfte Vögel und bedrohlich lange Federn. So richtig konsequent verfolgt Saul Dipp die These vom viktorianischen poor little It-Girl dann aber doch nicht (was ohnehin eher gediegen und popfrei ausfällt), und Die Herzogin entwickelt sich nach dem eher unbeschwerten, mit feiner Ironie gezeichneten Anfang zu einem Ehehöllenmelodram mit Vergewaltigung, Dreierbeziehung sowie Kindesentzug, und der Geschlechterkampf endet mit einer sanften Kapitulation. Das politische Engagement der Herzogin für die Whig-Partei fällt dagegen blaß aus und wird nur am Rande in Szene gesetzt. Es ist nicht viel mehr als dekoratives Beiwerk, dabei hätte die Verbindung von Politik und Celebrity-Kultur ein interessantes Moment werden können, das den Film aus dem Rahmen eines standardisierten Historiendramas heraushebt. 2009-03-19 11:58

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