— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Spritztour

Sex Drive. USA 2008. R,B: Sean Anders. B: John Morris. K: Tim Orr. S: George Folsey jr. M: Stephen Trask. P: Alloy Entertainment, Summit Entertainment. D: James Marsden, Katrina Bowden, Clark Duke, Amanda Crew, Michael Cudlitz u.a.
109 Min. Concorde ab 26.3.09

Jungfernfahrt

Von Nils Bothmann American Pie läutete vor rund zehn Jahren ein Revival der Teeniekomödie ein, beschäftigte sich mit bekannten Jugendsorgen verpackt in etwas derbere Komik. Das Verlieren – oder eher: Loswerden – der eigenen Unschuld ist immer noch ein beliebtes Thema in diesem Genre, die Aussicht auf sexuelle Abenteuer beflügelt die Protagonisten von Filmen wie Eurotrip oder Superbad. Auch in Spritztour, der Verfilmung des Romans »All the Way«, ist es das unmoralische Angebot einer Internetbekanntschaft, welches den 18jährigen Ian dazu verleitet, das Auto seines Bruders ohne dessen Wissen auszuleihen und eine Reise nach Knoxville anzutreten, mitsamt bestem Kumpel und bester Freundin.

Einem Statement der Macher zufolge habe man das Buch filmischer gestalten müssen und einen Film in der Tradition von John Hughes geschaffen. Denen dürfte das Buch allerdings näher sein, denn gerade das »Pimpen« mit modernen Sexwitzen ist die Crux des Films. Im Gegensatz zu ähnlich gelagerten Werken wie Road Trip oder Eurotrip fehlt hier die Balance zwischen der nachvollziehbarer Darstellung von Teenager-Sorgen und grobem Slapstick. Zwischen Begegnungen mit durchgeknallten Anhaltern, der Vorstellung bizarrer Sexualpraktiken und Körperflüssigkeitswitzen kann Spritztour nicht immer überzeugend zwei Gänge zurückschalten, um behutsam Ians Geschichte zu erzählen. Der ist nämlich an sich in seine beste Freundin Felicia verliebt, will aber die Freundschaft nicht gefährden.

Natürlich wird – frei nach Shakespeare – am Ende alles gut, was gut endet, es kriegen sich die Liebenden, die einander verdienen. So ist das Ende dann überraschend prüde, nachdem die Reise dorthin mit sexuellen Freizügigkeiten gespickt ist, und Spritztour leidet ein wenig unter seiner Inkonsequenz. Dafür erzählt Regisseur Sean Anders seine Geschichte immerhin mit dem richtigen Tempo, fängt das Roadmovie-typische Gefühl von Freiheit und Geschwindigkeit auch mit entsprechenden Kamerafahrten und Panoramaaufnahmen der durchquerten Landschaft ein. Von diversen Ausrutschern ins Niveaulose mal abgesehen, funktioniert die Komik auch meist; allerdings sollte man die deutsche Synchro meiden, da die Sprecher leider nicht immer mit dem nötigen Elan bei der Sache sind und mancher Wortwitz verlorengeht.

Ungebremst witzig in beiden Sprachfassungen ist allerdings James Marsden als daueraggressiver Bruder Ian im Klaus-Kinski-Gedächtnismodus, denn bei seinen herrlich überzogenen Wutattacken bleibt kein Auge trocken. Auch die weitestgehend unbekannten Jungdarsteller machen einen guten Job, verkörpern ihre Charaktere mit der nötigen Einfühlsamkeit, auch wenn ihnen der grobe Slapstick gelegentlich einen Strich durch die Rechnung macht. Wer nun nicht genug von amerikanischen Teeniekomödien kriegen kann, der kann die Spritztour gerne antreten, ein wirklich herausragender Genrefilm ist Sean Anders und seiner Crew aber leider nicht gelungen. 2009-03-25 11:54

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap