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Prinzessin Lillifee

D 2009. R: Alan Simpson, Ansgar Niebuhr. B: Mark Slater, Gabriele M. Walther. P: ndF, Caligari.
90 Min. Universum ab 26.3.09

Rosa Pädagogik

Von Natália Wiedmann Wie schön könnte doch alles im Königreich Rosarien sein, friedfertiges Glück in Zauberrosarot! Aber – noch unbemerkt von der liebreizenden Prinzessin Lillifee – bahnen sich Konflikte an, denn die übermütigen Feen sind zu sehr mit ihren eigenen Problemen und Streitigkeiten beschäftigt, um sich den Belangen der anderen Bewohner zuzuwenden, und ihre Wettkämpfe richten allerlei Unheil an: zerstörte Meerjungfrauenfrisuren, eine zu Fall gebrachte Apfelernte, aufgescheuchte Hühner und zerbrochene Eier. Das ist natürlich alles ziemlich schlimm und böse, und bestimmt wird jeder Zuschauer nur allzu gut nachvollziehen können, daß die anderen Landesbewohner da am liebsten nach Plutopia auswandern wollen; sie sprechen einem aus dem Herzen, und man möchte die ungezogenen Feen direkt ein bißchen schubsen. Pädagogisch in die richtige Richtung, versteht sich.

Positiv soll sie es sehen, rät Igel Ivan der geknickten jungen Fee, denn nun könne sie beweisen, was für eine gute Prinzessin sie sei. Und so muß sich das kleine Fräulein notgedrungen zur kleinen Pädagogin entwickeln; ihre Idee, nach einer Aufgabe zu suchen, die alle gerne erledigen und die nur gemeinsam zu bewältigen ist, um die Feen wieder zusammenzuschweißen, könnte glatt einem Lehrbuch entsprungen sein. Belehrt wird sie schließlich auch selbst, nämlich darüber, daß sie die anderen besser in ihre Überlegungen miteinbezogen hätte, statt sie schließlich auszutricksen, und erst nachdem die Prinzessin öffentlich gedemütigt wurde, lenken die störrischen Feen ein und sind letztendlich für die Finte sogar dankbar.

Alle haben dazugelernt, die Vernunft hat gesiegt. Und das ist schade, denn was man sich für diesen Film wünschen würde, ist mehr Chaos und Spielerei, mehr Spaß und Mut zu Übertreibungen. Die visuelle-auditive Gestaltung trägt hieran keine Mitschuld, erweist sie sich doch als äußerst gelungen. Rosarien mit seinen zuckerwatteartigen Baumkronen als bunte Tupfer in der saftiggrünen Landschaft ist in großflächigen, kräftigen Farben gehalten und voll runder, blumiger Formen. Besonders hübsch die Zeichnung der Feenfiguren, die nicht nur charakterlich an ihre jeweilige Fähigkeit angelehnt sind, sondern auch die passende Bekleidung und Behausung besitzen. Die Gestaltung des rasanten Wettfluges, des Windes und der anderen Feenkräfte, eine Falterplage, die sich über die gesamte Leinwand ergießt und selbige für einen kurzen Moment in Dunkelheit taucht, das berühmte herabfallende Klavier aus der Subjektive gezeigt, imitierte Kamerabewegungen, visuelle Randgags und nette Details im Dekor sorgen über die langsam erzählte Geschichte hinaus für Abwechslung und Unterhaltung; überraschend gut auch die Songs mit ihren treibenden Rhythmen. Für die adressierte Zielgruppe erweist sich die Inszenierung als absolut angemessen, und wenn der Anblick einer rosa glitzernden Leinwand in den Augen brennt, heißt es eben Zähne zusammenbeißen und durch – das Glitzern hält sich zum Glück in Grenzen. Darüber hinaus gibt es aber der Grenzen zu viele, was an der im Konflikt eingenommenen Haltung liegt.

Als Figuren sind Erwachsene zwar nur am Rande repräsentiert, doch es sind ihre Wünsche, welche die Handlung bestimmen, inszeniert wird der Wandel einer kindlichen Welt des Chaos und der Freiheit hin zur erwachsenen Ordnung und Vernunft. Sie wollen ja nur, daß diese Feen, als rücksichtslos, gemein und unhöflich bezeichnet, ein bißchen mithelfen, und da erweist sich die Drohung der Auswanderung, die Aktivierung von Ängsten des Verlassenwerdens schließlich als vorzügliches Mittel der Disziplinierung. Was ist die Prinzessin da anderes, als das älteste Geschwisterkind, das in Absentia der Eltern für die Einhaltung der Regeln zu sorgen hat? Auf unangenehme Art erweist sich der Film dergestalt als realitätsnäher und weit weniger rosa, als man zunächst vermutet. Und wenn die Kinderlein dann im Kino alle artig waren, bekommen sie vielleicht auch ein tolles Lillifeeprodukt – vielleicht den 800 Euro teuren Kleiderschrank für die verwöhnte Luxusgöre? Hoppla, -prinzessin natürlich. 2009-03-23 11:45

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