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Notorious B.I.G.

Notorious. USA 2009. R: George Tillman Jr. B: Reggie Rock Bythewood, Cheo Hodari Coker. K: Michael Grady. S: Dirk Westervelt. M: Danny Elfman. P: Bad Boy, Fox Searchlight. D: Jamal Woolard, Angela Bassett, Derek Luke, Anthony Mackie, Antonique Smith, Tristan Wilds, Naturi Naughton u.a.
123 Min. Fox ab 26.3.09

Einmal Rapper Schwarz-Weiß, bitte!

Von Werner Busch Der Trailer zum Film ließ keinen Zweifel daran, daß dieser Film eine große, posthume Huldigung für The Notorious B.I.G. (auch bekannt als Biggie Smalls) sein sollte: »Der größte Rapper aller Zeiten«, »Ein Visionär der Hip-Hop-Welt« und »Verehrt von Millionen« sind die markigen Zitate, die im Trailer gleich zu Beginn auf uns zufliegen. Und weil der Film von Produzent und Wegbegleiter Sean Combs und Biggies Mutter höchstpersönlich produziert wurde, konnte das Resultat natürlich nur zu einem Lobgesang auf den im Jahr 1997 Ermordeten werden. Doch: Oha! Falsch geraten! Keine Beweihräucherung eines visionären Musikkünstlers in Sicht. Stattdessen: Willkommen im Leben eines Mannes ohne Eigenschaften, der eher durch Zufall mit Musik reich wird, um dann erschossen zu werden. Film aus. Dankeschön für die Aufmerksamkeit. Und vergessen Sie nicht, sich am Ausgang noch einen Soundtrack zu kaufen!

Obwohl Mutti die Gehaltsschecks der Drehbuchverbrecher unterschrieb, wurden tatsächlich noch ein paar Ecken und Kanten an der Filmfigur Biggie drangelassen. Zumindest einer schwangeren Frau muß das ehemalige Crackdealerkind aus der Bronx, nun ein Crackdealerteenager, Stoff verkaufen, soviel Ehrlichkeit muß sein. Aber weil der Film fortwährend und durchaus perfide gegen seine Hauptfigur arbeitet, ist dies auch eine der wenigen Szenen, in der Biggie sympathisch wirkt. Hier zeigt er endlich so etwas wie Initiative, Durchsetzungsvermögen und Charakter. Ansonsten wird die omnipräsente Filmfigur Biggie Smalls als weitestgehend antriebsloser Typ ohne besondere musikalische Leidenschaften beschrieben, der nur, weil es so nette Leute wie Sean Combs gibt und seine Mama immer für ihn da war, lecker Kohle macht und ein paar Frauen abgreift. Sämtliche Elemente, die die Geschichte interessant machen könnten, insbesondere die Frage nach der Wahrheit (bzw. natürlich den Wahrheiten) im Konflikt zwischen East Coast- und West Cost-Rap, werden zugunsten einer langweiligen, einseitigen Darstellung übergangen.

Notorious B.I.G. ist ungewollt zum völligen Verrat an der zu porträtierenden Person geworden. Der Film will es dem Zuschauer durch ein langweiliges Drehbuch und eine völlig uninspirierte Inszenierung unmöglich machen, so etwas wie Sympathie für die Filmfigur Biggie Smalls zu empfinden. Er wird als ein Blatt im Wind porträtiert, auf dem zwar »Größter Rapper aller Zeiten« steht, warum dies aber die gezeigte Figur sein sollte, bleibt völlig schleierhaft. Der Film schafft es nicht, Begeisterung für die Musik zu transportieren: Zwei brav abgefilmte Musikshows und drei Zooms auf ein mit einem Spitzlicht angestrahltes Mikrophon reichen dafür jedenfalls nicht aus. Die posthume Verwertungskette von Notorious B.I.G. dürfte mit diesem Film (und vergessen Sie bitte nicht den dazugehörigen Soundtrack!) ihren absoluten Tiefpunkt gefunden haben. Aber das ist eine unbegründete Hoffnung. 2009-03-25 11:52

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