— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Der Kaufhaus Cop

Paul Blart: Mall Cop. USA 2009. R: Steve Carr. B: Nick Bakay, Kevin James. K: Russ T. Alsobrook. S: Jeff Freeman. M: Waddy Wachtel. P: Columbia Pictures, Happy Madison. D: Kevin James, Jayma Mays, Keir O'Donnell, Shirley Knight, Dahlia Salem, Raini Rodriguez u.a.
87 Min. Sony Pictures ab 26.3.09

Iß langsam

Von Nils Bothmann In Komödien mit dicken Hauptdarstellern herrscht meist eine gewisse Janusköpfigkeit vor: Zum einen machen die meisten dieser Filme mit Freude Witze über den Körperbau ihrer Protagonisten, um dann als zweifelhafte Moral zu propagieren, daß auch die unterschätzten Übergewichtigen etwas auf dem Kasten haben. Auch Der Kaufhaus Cop, das neueste Exemplar dieser Gattung Film, kann dieses Dilemma nicht meistern, bringt seiner Hauptfigur aber mehr Respekt entgegen als vergleichbare Werke. Dies mag daran liegen, daß Kevin James als ehemaliger Sportler eine merkliche Beweglichkeit aufweist – trotzdem scheitert der von ihm verkörperte Securitybeamte Paul Blart an der Sportprüfung bei der »richtigen« Polizei. Nicht aufgrund seiner Körperfülle, sondern aufgrund einer Schlafattacke, verursacht durch niedrigen Blutzucker.

Überraschend einfühlsam nimmt sich Der Kaufhaus Cop dann auch der Probleme des Familienvaters an, dem eine neue Frau im Leben fehlt, dessen penible Pflichterfüllung des vermeintlichen Simpeljobs meist nur belächelt wird. Aus dieser tiefempfundenen Loyalität entspringt dann auch Pauls Eingreifen, als Gangster das Einkaufszentrum besetzen. Was sich auf dem Papier nach einer Stirb langsam-Parodie mit Potential anhört, entpuppt sich bald als konzeptlose, fürchterlich ideenarme Slapstickkomödie. Auf Stirb langsam, das Vorbild aller modernen Geiselthriller, verweist lediglich eine Luftschachtszene ganz zaghaft, einen Gegner streckt Paul in 300-Zeitlupe nieder und eine Konfrontation in einem künstlichen Dschungel läßt sich als Rambo II-Anspielung lesen. Inwieweit diese Verweise allerdings gewollt sind, ist Interpretationssache, da überhaupt kein System hinter Der Kaufhaus Cop steht.

Eine Entwicklung oder gar einen Spannungsbogen läßt die Geiselgeschichte missen, stattdessen wirkt der gesamte Film wie eine plumpe Ansammlung von Slapstickszenen, die zwei Gags zu Tode reiten. Entweder witzelt man über Pauls Tollpatschigkeit (und gleichzeitig seinen Leibesumfang) oder seine allgegenwärtige Verwendung des Zweiradrollers, mit dem er seine Runden durchs Kaufhaus dreht. Das Drumherum um diese Szenen zeugt von Planlosigkeit, erklärt die Motivation der Geiselgangster kaum und läßt diverse Fragen offen. So hat es z.B. gar keinen erzählerischen Grund, daß die Gauner Extremsportfreaks mit Faible für BMX, Skaten oder Parcours sind – diesen Charakterzug tragen sie bloß, damit Der Kaufhaus Cop ein paar zugegeben spektakuläre, aber gleichzeitig vollkommen unnötige Stunteinlagen aufweisen kann.

Auch die Tatsache, daß die Gangster zwar alle Schußwaffen tragen, diese aber nur ganz selten benutzen, macht innerfilmisch keinen Sinn, ist wohl der Tatsache geschuldet, daß Der Kaufhaus Cop als Film für die ganze Familie gedacht ist. Wirklich lustig sind die müden, sich stets wiederholenden Slapstickeinlagen für keine Altersklasse, soviel Mühe sich der talentierte Kevin James auch gibt. Auch der gut gewählte Soundtrack kann das Fehlen von Witz und Konzept nicht vertuschen; das amerikanische Publikum adelte Der Kaufhaus Cop trotzdem zum kommerziell erfolgreichsten Film des Kinofrühlings. Vielleicht trafen die Macher aber nur den richtigen Nerv in einem Land, in dem riesige Einkaufszentren zum normalen Stadtbild gehören und große Teile der Bevölkerung mit Übergewicht zu kämpfen haben. Paul Blart als moderner US-Volksheld? Hoffentlich nicht, denn sonst ist eine Fortsetzung zu befürchten. 2009-03-23 11:50

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap