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Liebe 1962

L'eclisse. I/F 1962. R,B: Michelangelo Antonioni. B: Tonino Guerra. K: Gianni Di Venanzo. S: Eraldo Da Roma. M: Giovanni Fusco. P: Cineriz, Interopa Film, Paris Film. D: Alain Delon, Monica Vitti, Francisco Rabal, Louis Seigner, Lilla Brignone u.a.
118 Min.

Das Leben – ein Spaziergang

Von Tina Hedwig Kaiser Wenn Monica Vitti alias Vittoria in diesem Film durch die Straßen schlendert, dann wird aus dem banalsten Nicht-Ort eines Neubauviertels ein mehr als besetzter Ort. Dann ist eine Baustelle bei Antonioni keine Baustelle mehr und eine Wassertonne erst recht keine Wassertonne. Dann werden sie zum Arsenal für Erinnerungen. Natürlich für Erinnerungen an eine Liebe. An eine Liebe, die sie kurzzeitig mit Piero (Alain Delon) teilte.

Damals hatten sie noch gemeinsam die Nachmittage im römischen EUR-Viertel verbummelt. Ihr Gang über den Zebrastreifen hat sich dabei nicht nur im Gedächtnis der Protagonisten eingebrannt, sondern auch in das der Kinogeschichte nicht nur der italienischen Nachkriegsmoderne. Auf halber Strecke blieben sie da auf einem Zebrastreifen stehen, und Vitti überlegte und überlegte, was sie denn nun zu Piero sagen könnte bzw. wie über unsichere Gefühle überhaupt zu sprechen sei.

Die Lösung findet Antonioni in diesen Filmen seiner italienischen Trilogie (neben La Notte und L’Avventura) immer noch am besten im Stadtraum selbst: Stehen die Protagonisten in der Mitte eines Zebrastreifens, was sollte man dann anderes sagen können, als daß man nun mal eben »half way« sei. Na also. Doch irgendwann werden sie beide nicht mehr zu ihrer gemeinsamen Verabredung im Neubauviertel erscheinen. Die Stadt und ihre Baustellen liegen dann wieder leer da. Doch Antonionis Aufnahmen sehen und spüren die Gegenwart des einst gemeinsamen Spaziergangs in jeder Einstellung.

Antonioni at its best - könnte man also auch schlichtweg sagen. 2009-03-09 13:28

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