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Rock'N'Rolla

GB 2008. R,B: Guy Ritchie. K: David Higgs. S: James Herbert. M: Steve Isles. P: Dark Castle Entertainment. D: Gerard Butler, Tom Wilkinson, Thandie Newton, Mark Strong, Idris Elba, Ludacris u.a.
114 Min. Warner ab 19.3.09

Pimp my Plot

Von Kyra Scheurer Zurück zu seinen Wurzeln findet »Mr. Ciccone« nach der Scheidung: Wie schon in Bube, Dame, König, GrAs und Snatch – Schweine und Diamanten entspinnt sich auch in RocknRolla eine copfreie Gangsterkomödie mit coolen Typen, die sich gegenseitig bescheißen, und verschiedenen, bisweilen arg verwickelten Handlungssträngen, die in ein blutiges, möglichst furioses Finale münden. Der atemlose Wechsel zwischen Protagonisten, wilden Großstadtlocations und Handlungssträngen erzeugt in diesem Fall wenig mehr als polierte Oberfläche und suggeriert Dynamik, die der Film eigentlich gar nicht hat. Denn Ritchie ist längst nicht mehr »Kult«: Was einst »kreative Handschrift« war, wirkt mit den fehlende Tiefe unzureichend kaschierenden schnellen Schnitten und dem manierierten Spiel mit Zeitlupe und -raffer eher redundant und im Vergleich mit aktuellen Produktionen wie etwa Tödliche Versprechen künstlerisch wie inhaltlich gleichermaßen belanglos.

Erzählt wird via infolastiger Voice Over (in der Synchronisation sicher besonders unerträglich) aus der Perspektive von des Gansterbosses rechter Hand Archy – verkörpert vom einzig wirklich überzeugenden Darsteller Mark Stron – der nicht nur den Handlungsverlauf kommentiert, sondern auch über das Gangsterdasein, gängige Vorurteile und das Leben an sich philosophiert. Die eigentliche Hauptfigur aber ist der kleine, von Gerard 300 Butler mit oberflächlicher Coolness gegebene Gangster One Two, der endlich ein größeres Stück vom Kuchen des Londoner Immobilienhypes abhaben möchte, von Tycoon Leny aber hereingelegt wird und nun dringend zwei Millionen Pfund benötigt. Gemeinsam mit seiner »Wild Bunch« und auf Anregung der toughen Anwältin Stella besorgt er sich gleich sieben Millionen, die Lenny vom russischen »Neueinsteiger« Obomavich erhalten soll – und das nicht nur ein-, sondern gleich zweimal, allerdings mit wechselndem Härtegrad. Doch der alternde Gangsterboß Lenny hat noch andere Probleme: Das von Obomavich ausgeliehene »Glücksbild« wird gestohlen, die lästige Verwandtschaft in Form von Stiefsohn Johnny Quid, einem fixenden (Pseudo-)Rockstar, macht auf tot, und der Stadtrat spielt auch nicht mehr so einfach mit.

Wieder einmal also cartooncoole Gangster mit albernen Namen, die einem »Etwas« hinterherjagen. Neben den sieben Mio. Pfund installiert Ritchie diesmal mit dem Glücksbild gleich noch einen zweiten »McGuffin«, auf Ebene der Figurgestaltung sollen Anleihen bei Roman Abramowitch und Pete Doherty für Aktualität sorgen. Hilft aber alles nichts: Alter Wein bleibt alter Wein, auch in neuen Schläuchen. Natürlich muß man nach der Doppelnull Stürmische Liebe – Swept Away und Revolver bei RocknRolla von einer Rückkehr zur alten Form sprechen, aber ein fulminantes Comeback sieht anders aus. Ein nett animierter Vorspann, gute Oneliner, eine ungewöhnlich montierte Sexszene und vereinzelte inszenatorische Highlights wie die Verfolgungsjagd von One Two und zwei scheinbar unzerstörbaren russischen Killern ergeben noch keinen Leinwand-Rock’n’Roll – es bleibt ein schaler Aufguß der gleichen Tasse Genre-Tees. 2009-03-17 15:55

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